Zweiter Vortrag
Und nun kommen wir zum dritten Glied der menschlichen Wesenheit. Die Pflanzen haben einen physischen Leib und einen Ätherleib; sie haben aber etwas nicht, was Tiere und Menschen haben: sie haben nicht Leid, nicht Lust, keine Schmerzen und keine Empfindung. Das ist der Unterschied von Tier und Mensch einerseits und den Pflanzen andererseits. Der Unterschied beruht darauf, daß in Tier und Mensch sich Innenvorgänge abspielen. Die neuere Wissenschaft hat ja sogar auch den Pflanzen aus den Vorgängen, welche man bei ihnen beobachtet, Empfindung zusprechen wollen. Es ist jammervoll, wenn man sieht, was für ein Unfug mit Begriffen getrieben wird, denn hier finden keinerlei innere Vorgänge statt wie bei einer jeden Empfindung; diese «Empfindung» müßte man mit demselben Rechte auch dem blauen Lakmuspapier zuschreiben. Aber das kommt davon, wenn man die Empfindung hier in der physischen Welt sucht. In der physischen Welt kann man keine Empfindung bei einem derartigen Phänomen, wie es sich an manchen Pflanzen zeigt, finden; da muß man in die himmlischen Welten gehen. Eingeschaltet soll hier werden, um Mißverständnissen vorzubeugen, daß bei den sogenannten reagierenden Pflanzen, zum Beispiel der Mimose, dieser Reizvorgang sich nicht als Empfindung spiegelt in der physischen Welt, sondern nur in der niederen Vernunftwelt, wo sich ja das Bewußtsein der Pflanzen befindet. Hier unten in der physischen Welt hat nur der Mensch und das Tier Begierde und Leidenschaften, Freuden und Schmerzen. Warum? Weil sie außer dem physischen Leib und Ätherleib auch noch den Astralleib haben, das dritte Glied der menschlichen Wesenheit.
Cite:
GA 100/1907-06-17/p032 · edition original