Dritter Vortrag
Sie kommen am besten zu einer Vorstellung davon, wenn Sie daran denken, daß es im ganzen Umkreis der deutschen Sprache einen Namen gibt, der sich grundsätzlich unterscheidet von allen andern: das ist das Wort Ich. Den Tisch kann jeder Tisch nennen, aber «Ich» kann jeder nur für sich selbst sagen, für jeden andern ist man ein Du. Niemals kann das Wort Ich von außen an mein Ohr klingen, wenn es mich selbst bedeuten soll. Das hat alle Geisteswissenschaft empfunden. Die hebräische Religion sprach zum Beispiel, wenn sie von diesem Wesen des menschlichen Inneren sprach, so, daß sie das den unaussprechlichen Namen Gottes nannte. Man sagte nämlich: Wenn das Ich ausgesprochen werden soll, muß es aus dem Mittelpunkt des Wesens selbst heraustönen. Kein äußeres Wesen kann den Namen aussprechen. Es war daher wie ein Schauer, der durch die ganze Versammlung ging, wenn der Priester das Wort Jahve, «Ich bin der ich bin» aussprach. Da beginnt der Gott im Menschen zu sprechen. Das ist die reine, ursprüngliche Bedeutung des hebräischen Gottesnamens. Sie werden noch andere Namen kennenlernen, aber alle stehen in einem gewissen Verhältnis zu diesem einen Namen. Und mit diesem Ich bezeichnen wir das vierte Glied der menschlichen Wesenheit. Von diesem Ich aus durcharbeitet der Mensch die andern Glieder seiner Wesenheit: den Astralleib, den Ätherleib und auch den physischen Leib. So weit wir auch zurückgehen in der Entwickelungsgeschichte der menschlichen Wesenheit, die vier Glieder waren immer im Menschen vorhanden; und dadurch unterscheidet er sich gerade von den Tieren.
Cite:
GA 100/1907-06-18/p004 · edition original