Dritter Vortrag

GA 100/1907-06-18/p018 ·1907-06-18 · original (original)
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Denken Sie einmal an den Genuß einer leckeren Speise; der Mensch genießt sie und hat seine Lust an diesem Genusse. Dieser Genuß sitzt nicht im physischen, sondern im Astralleibe; aber daß dieser Genuß zustande kommen kann, dazu braucht er das Werkzeug, nämlich eine Zunge, einen Gaumen; also liefert der physische Leib das Werkzeug für die Genüsse des Astralleibes. Wie ist das nun nach dem Tode, wo doch dieser physische Leib abgeworfen ist? Das Instrument, der Vermittler des Genusses fehlt, nicht aber hat der Astralleib die Sehnsucht, das Verlangen nach dem Genuß verloren. Stellen Sie sich einmal möglichst lebendig diesen Zustand vor. Es ist ein Zustand, wie ihn etwa der Durstende in der Wüste empfindet. Nach dem Tode wird eben der Astralleib die Begierde noch haben nach Genuß, und zwar in dem Maße, wie er es von dem verflossenen Leben her gewöhnt gewesen ist. Darum also ist für alle Menschen diese Zeit nach dem Tode eine Zeit des unbefriedigten Verlangens. Diesen Zustand nennt man Kamaloka; Kama bedeutet Begierde, locus: Ort. Es ist der gleiche Zustand, den wir geschildert finden in zahlreichen Mythen, zum Beispiel in den Qualen des Tantalus, oder im Fegefeuer. Natürlich ist dieser Zustand nicht nur ein qualvoller; qualvoll ist er nur so lange, bis sich dieser Astralleib das Verlangen nach Genuß abgewöhnt hat. Je mehr also der Astralleib hier im physischen Leben Bedürfnisse hatte, um so länger dauert dieser Zustand. Daraus können Sie aber schon entnehmen, daß je nach der Qualität der Bedürfnisse, die ein Mensch im verflossenen Leben gehabt hat, nicht nur Qualvolles, sondern auch unter Umständen etwas sehr Gutes und Angenehmes dem Astralleib im Kamaloka begegnen kann. So zum Beispiel erlebt er dann angenehm eine jede Freude, die er an der schönen Natur gehabt hat. Um diese Freude an der schönen Natur zu genießen, müssen wir zwar Augen haben zum Sehen, aber Schönheit ist etwas, was hinausgeht über das Physische, und deshalb ist auch im Kamalokaleben dieser Zustand die Quelle erhöhten Genusses. Solche Dinge sind die Ursachen von den großen Freuden und wundervollen Erlebnissen auch während der Kamalokazeit. Diese Zeit kann sich also der Mensch schon verschönern, wenn er sich frei macht vom Kleben an rein physischen Genüssen. Wenn Sie das bedenken, werden Sie manches im Leben verstehen, zum Beispiel in bezug auf alles, was Kunst heißt. Je idealer die Kunst ist, je mehr das Ideale durchleuchtet, um so stärker und um so erhebender wirkt das Kunstwerk über das Leben hinaus. Ihr Element ist das Geistige. Nur die materialistische Kurzsichtigkeit hat zum Naturalismus in der Kunst geführt. - Nach dem Durchleben dieser Kamalokazeit sind wir also an dem Punkte angekommen, wo der Mensch sich alle seine materiellen Genüsse abgewöhnt hat, und dieser Zeitpunkt bedeutet das Durchmachen eines ganz neuen Zustandes. Da legt die Seele nun auch alles das vom Astralleib ab, woran der Mensch, das heißt das Ich, noch nicht gearbeitet hat; und diese nun abgelegte Astralhülle ist somit der dritte Leichnam, den der Mensch dann zurückläßt.

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Cite: GA 100/1907-06-18/p018 · edition original