Vierter Vortrag
Auch in diesem Reich der Himmel gibt es eine Dreiheit, wie hier auf der Erde. Wie man hier die drei Aggregatzustände hat: fest, flüssig und luftförmig, und danach die Erde einteilt in das Kontinentale, die Ozeane und das Luftgebiet, so kann man auch im Geisterlande, wenn auch wie gesagt nur vergleichsweise, drei derartige Gebiete unterscheiden; nur ist das Gebiet der Kontinente aus etwas anderem zusammengesetzt als unsere Felsen und Steine. Was nämlich dort der feste Boden des Geisterlandes ist, das sind die Urbilder alles Physischen. Alles Physische hat ja seine Urbilder, auch der Mensch. Diese Urbilder nehmen sich für den Hellseher aus wie eine Art Negativ, das heißt, man sieht den Raum wie eine Art Schattenfigur, und rings um ihn ist strahlendes Licht. Dieser Schatten ist aber, entsprechend zum Beispiel dem Blut und den Nerven, nicht gleichmäßig, während ein Stein oder ein Mineral im Urbild einen gleichmäßig leeren Raum erscheinen läßt, um den herum auch eine Lichtstrahlung zu sehen ist. Wie Sie auf der Erde auf festen Felsen gehen, so gehen Sie dort auf den Urbildern der physischen Dinge herum. Daraus ist das Land dieser geistigen Welt zusammengesetzt. Wenn der Mensch dieses Land zuerst betritt, dann hat er immer einen ganz bestimmten Anblick: das ist der Moment, in dem er das Urbild seines eigenen physischen Leibes erblickt. Da sieht er zuerst klar daliegen seinen eigenen Leib. Denn er selbst ist ja Geist. Das geschieht bei einem normal verlaufenen Erdenleben etwa dreißig Jahre nach dem Tode; und dabei hat man die Grundempfindung: Das bist du. — Aus dieser Erkenntnis heraus hat die Vedantaphilosophie das «Tat tvam asi — Das bist du», als einen grundlegenden Erkenntnissatz geprägt. Alle derartigen Ausdrücke sind tief aus dem geistigen Erkennen herausgeholt.
Cite:
GA 100/1907-06-19/p012 · edition original