Elfter Vortrag
Der Mensch, der im Urmeer herumschwamm, hatte noch keine Augen, die da sehen konnten wie heute; veranlagt waren sie ja schon auf dem Saturn, aber da unten in dem Urmeer brauchte der Mensch noch nicht zu sehen; er mußte sich anders orientieren. In dem Urmeer war auch alles enthalten, was er verzehrte, um sein Dasein zu fristen. Da gab es auch Tiere, die ihm freundlich, andere, die ihm nicht freundlich gesinnt waren. Und dann war das Urmeer an manchen Stellen warm, an andern kalt. Die einen Stellen konnte der Mensch vertragen, die andern nicht. Damals hatte der Mensch noch ein Organ, das heute im Kopfe drinnen ist, kirschkerngroß, die Zirbeldrüse; doch ist es im eigentlichen Sinne keine Drüse. Dieses Organ war einstmals mächtig groß entwickelt; es ist ein Organ gewesen, mit dem der Mensch sich im Urmeer orientieren konnte: da ragte es wie eine Art Laterne aus dem Kopfe heraus. Der Mensch bewegte sich so, daß er dazu dieses vorneliegende laternenartige Gebilde benutzte; es war ein fein empfindendes Organ, ein Wärmeorgan, wodurch er die Wärme, die ihm zuträglich war oder nicht, wahrnehmen konnte. Es war ein Orientierungsorgan, das aber nicht ein Sehorgan war. Es war ihm dienlich, wenn er da herumschwamm. Später brauchte es der Mensch nicht mehr; da schrumpfte es zusammen.
Cite:
GA 100/1907-06-26/p009 · edition original