Elfter Vortrag
Die Leiber selber mußten sich schwebend erhalten, und dazu brauchten die Wesen ein Organ. Der Mensch hatte damals noch keine Lunge, aber er hatte eine Art Schwimmblase; dadurch erhielt er sich im Urmeere schwimmend. Die Fische, die auf dieser Stufe zurückgeblieben sind, haben noch heute Schwimmblasen und keine Lungen. Nach und nach, als die Luft sich von den Wassern reinigte, und der Mensch über die Wasser hinaufgelangen konnte und ein Luftatmer wurde, sind seine Lungen entstanden. Das war ein langer Prozeß, ein Prozeß durch Jahrmillionen, wo der Mensch allmählich die Luft durch Lungen dann aufnahm. Dadurch war das physische Gebilde gegeben, das die Seele in sich selber aufnehmen konnte. Je mehr der Mensch ein Lungenatmer wurde, desto mehr wurde er fähig, die Seele aufzunehmen. Das können Sie nicht besser ausdrücken als mit den Worten: Und Gott hauchte dem Menschen den Odem ein, und er ward eine individuelle Seele. - Damit wird der Mensch zu gleicher Zeit fähig, etwas auszubilden, was er früher niemals hätte bilden können: er wird fähig, rotes Blut zu bilden. Früher waren alle Menschen so veranlagt, dieselbe Temperatur zu haben wie ihre Umgebung; waren sie mehr von Wärme umgeben, so waren sie dieser Wärme angemessen. Früher gab es überhaupt noch kein rotes Blut; die Tiere, die über den Amphibien stehen, sind in noch viel späterer Zeit zurückgebliebene Menschenkörper. Erst nach der Zeit, wo der Mensch sich zu einem Bildner von rotem Blut entwickelt hat, haben sich auch Tiere entwickelt zu solchen, die rotes Blut haben. Ebensowenig wie sich jemals eine Pflanze aus einem Stein entwickelt hat, sondern wie sich der Stein aus der Pflanze bildete, so hatte sich das Tier aus dem Menschen herausentwickelt. Alles Niedere hat sich aus dem Höheren herausentwickelt; das ist die Evolutionslehre. Erst mußte sich der Mensch zu einem rotblütigen Wesen umwandeln, dann konnte er die Tiere zurücklassen. In den Tieren sehen Sie im buchstäblichen Sinne die Stufen ausgebreitet, die wir zurückgelassen haben. Der Mensch sieht in einem jeden Tiere mehr oder weniger ein zurückgelassenes Stück seiner selbst. Das hat Paracelsus so wunderschön ausgedrückt: Wenn wir um uns umher blicken, sehen wir gleichsam die Buchstaben eines Alphabets; nur im Menschen sind sie zu einem Wort vereinigt; daher liegt in ihm der Sinn dessen, was um ihn herum ausgebreitet ist. Sodann müssen Sie eines in Betracht ziehen. Ein scheinbar unbeträchtlicher, aber für die Geisteswissenschaft außerordentlich wichtiger Prozeß vollzog sich dazumal; er begann im Grunde schon mit dem ersten Auftreten der Erde, als sie noch mit dem Mond zusammen war: das ist ein gewisses Zusammenwirken von Mars und Erde. Während der ganzen ersten Erdhälfte strrömten Kräfte des Mars auf die Erde ein; daher bezeichnet man die erste Hälfte geradezu als den Marszustand der Erde. Und mit diesem Durchgang durch den Mars ist das Eisen verknüpft, das von da ab eine ganz neue Rolle in dem Erdprozeß spielt.
Cite:
GA 100/1907-06-26/p012 · edition original