Elfter Vortrag
Dadurch wird dieser Menschenkörper fähig, ein Ich aufzunehmen; denn ohne rotes, warmes Blut kann kein Körper ein Ich-Träger werden; das ist außerordentlich wichtig. Lungenatmung ist die Voraussetzung des warmen, roten Blutes. Und dann entstanden die nötigen Prozesse auf der Erde, die sich dem Blute eingliederten. So hat der Mensch sich allmählich entwickelt, daß er ein lungenatmendes, rotblütiges Wesen geworden ist, und dann die andern Geschöpfe, die niederen Warmblütler, zurückgelassen hat. Im Okkultismus werden die Tiere nicht bloß in der gewöhnlichen Art unterschieden, sondern wir nennen noch ein anderes Merkmal. Wir unterscheiden sie in innerlich tönende, solche, die eigenen Schmerz und Freude in Tönen zum Ausdruck bringen können, und in nichttönende. Wenn Sie heruntergehen zu niedereren Tieren, hören Sie zwar auch Töne, doch sind es nur äußerliche, die auf Aneinanderreiben von Organen oder auf äußerliche klimatische Einflüsse zurückzuführen sind; das Äußere tönt bei ihnen. Erst die Tiere, die sich damals abgezweigt haben, als der Mensch sich zu einem warmblütigen Wesen entwickelt hat, waren so, daß sie selbst ihren Schmerz und ihre Freude heraustönen konnten. Damals wurde ja auch des Menschen Kehlkopf zu einem tönenden Organ umgewandelt. Dadurch, daß außen die flüssige Erde sich umwandelte in eine Kruste, ging ein innerlicher Prozeß im Menschen vor sich: Parallel mit der äußerlichen Verfestigung bildete sich innerlich aus den weichen Teilen ein Knochen- und Knorpelskelett. Knochenwesen hat es früher nicht gegeben. Die äußeren Mineralien sind das Gegenbild zu den Knochen. Die Erde hat diese Epoche in den Felsmassen festgehalten; der Mensch hat sie in den Knochen. Immer mehr wird der Mensch jetzt aus einem in der waagrechten Haltung gehenden Wesen zu einem aufrechtgehenden. Er wendet sich so um, daß seine vorderen Gliedmaßen Arbeitsorgane werden, und nur seine andern der Fortbewegung dienen. Das hängt beides zusammen. Kein Wesen, das nicht einen tönenden Kehlkopf und einen aufrechten Gang hat, kann ein Ich-Wesen sein.
Cite:
GA 100/1907-06-26/p014 · edition original