Zwolfter Vortrag

GA 100/1907-06-27/p014 ·1907-06-27 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Dann kam immer mehr die Fernehe, und die Mischung des Blutes wird immer mehr das Gedächtnis abtöten, das über die einzelne menschliche Erscheinung hinausgeht. Die Einengung des Gedächtnisses ist als eine Folge der Fernehe gekommen. So ist der Gang der Menschheit, daß der einzelne immer mehr hinauswächst über den Stamm. In dem gemeinsamen Blut, das durch die Stämme ging, floß auch der gemeinsame Ausdruck für dieses Blut: die Liebe. Das liebt sich, was verwandtes Blut hat. Im Laufe der Zeit wird aber jene Liebe, die wir als Urliebe bezeichnen können, die an das Blut gebunden ist und zur Bildung einer ganzen Familie geführt hat, erlöschen. Die Liebe der Vergangenheit ist eine ganz andere als die, welche uns als die Liebe der Zukunft entgegenleuchtet. In den nachatlantischen Zeiten finden wir noch die Liebe durch das Blut vorherrschend: das liebt sich, in dessen Adern gemeinsames Blut ist. Aber das wird immer mehr verschwinden; die Menschen gehen immer mehr aus den engen Blutsverwandtschaften heraus und werden individuell.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/100/1907-06-27/p014.json
Cite: GA 100/1907-06-27/p014 · edition original