Zwolfter Vortrag

GA 100/1907-06-27/p022 ·1907-06-27 · original (original)
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Unter den neueren Geistern hat allein Richard Wagner wiederum etwas geahnt von der Bedeutung des Blutes. Ich habe Ihnen erklärt, wie das Drüsenleben des Menschen der Ausdruck des Ätherleibes ist, das Nervenleben der Ausdruck des Astralleibes, und wie der Ausdruck des Ich das Blutleben ist. Ich habe Ihnen gezeigt, wie in der Entwickelung des Blutes, wenn der Christus nicht gekommen wäre, eine Hinentwickelung zu einer größeren Selbstsucht eingetreten wäre; das Ich hätte die Selbstsucht, die Ich-Sucht immer mehr vergrößert. Es mußte dasjenige Blut abfließen, hingeopfert werden, das in der Menschheit überschüssig war, damit sie nicht ganz aufgehe in Selbstsucht. Der wahre Mystiker sieht in dem Blut, das aus den Wunden des Erlösers fließt, das abfließende überschüssige Blut, das fließen mußte, damit die Menschheit nicht in Selbstsucht verfällt, damit eine geistig-seelische Bruderliebe die ganze Menschheit erfassen konnte. So sieht der Geisteswissenschafter das vom Kreuze strömende Blut an, das von der Menschheit genommen werden mußte, damit diese sich erheben konnte vom Materiellen. Damit ist an Stelle der Liebe, die durch das Blut zusammengehalten wurde, eine Zukunftsliebe aufgerichtet, die von Mensch zu Mensch geht. Und nur so kann verstanden werden das Wort des Christus Jesus: «Wer nicht verläßt Vater und Mutter, Bruder und Schwester, Weib und Kind, der kann nicht mein Jünger sein.» Das darf nicht anders als so aufgefaßt werden, daß durch die Tat von Golgatha alles überwunden wird, was vorher durch das verwandte Blut, durch die Verwandtenliebe gefestigt werden mußte. Derjenige, der an diese Stelle die neue, die geistigseelische Liebe setzte, durfte sagen, daß die alte Liebe verlassen werden muß. So ist der Zusammenhang.

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Cite: GA 100/1907-06-27/p022 · edition original