Zweiter Vortrag

GA 100/1907-11-17/p009 ·1907-11-17 · original (original)
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So wie ein Blindgeborener die ihn umgebende Welt nur unvollständig kennt und die Welt der Farben und des Lichtes für ihn nicht existiert, so ist der durchschnittliche Mensch in der gleichen Lage der Astralwelt gegenüber. Sie ist ebenso vorhanden, durchdringt und umgibt die physische Welt, wird aber von ihm nicht wahrgenommen. Wenn der astralische Sinn bei einem Menschen eröffnet wird, so wird ihm die Astralwelt sichtbar. Die Bedeutung und Wichtigkeit dieses Momentes der menschlichen Entwickelung ist aber noch viel größer, als wenn ein Blindgeborener durch eine Operation das Augenlicht erlangt. Aber ein jeder von uns kennt diese astrale Welt, wenn auch unvollkommen, denn jede Nacht wird unser Astralleib in diese Welt versetzt. Wir ruhen in der Astralwelt, um die Harmonie des Astralleibes wiederherzustellen, denn die Ermüdung ist vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet nur eine Disharmonie im physischen und Astralleibe. Ein Gleichnis könnte das Verhältnis des physischen zum Astralleibe beleuchten. Nehmen wir einen Schwamm, zerschneiden ihn in tausend Stücke und lassen den Inhalt von einem Glas Wasser von diesen kleinen Stücken aufsaugen, so haben wir ein Gleichnis für den wachenden Durchschnittsmenschen. Pressen wir die Schwämmchen aus und sammeln wir das Wasser wieder in seinen Behälter, so schließt es sich zu einer gleichmäßigen Masse zusammen. So treten die menschlichen Astralkörper, die tagsüber wie die aufgesogenen Wassertropfen individualisiert waren, in die gemeinsame Astralsubstanz ein und stärken und kräftigen sich in derselben. Dies erkennt man am Morgen daran, daß die Ermüdung beseitigt ist. Solange der Mensch kein Seher ist, vermischt sich sein im Schlafe herausgetretener Astralleib mit den übrigen Astralleibern. Beim Seher liegen die Verhältnisse jedoch anders.

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Cite: GA 100/1907-11-17/p009 · edition original