Dritter Vortrag

GA 101/1907-10-21/p011 ·1907-10-21 · original (original)
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Wirkt nun nicht ergreifend jene Erzählung von der Frau, die die Mutter der Menschheit ist, die suchend durch die Welt geht, die sucht, was ihre Sehnsucht stillt, und es nicht findet in all den äußeren Gegenständen, weil sie das nicht mehr sieht, was sie einst wahrnehmen konnte, als das eine Auge oben am Kopfe noch funktionierte? In all den äußeren Gegenständen, die heute der Menschheit durch die Sinne gegeben sind, kann es nicht mehr gefunden werden. So tief spricht der Mund des Weltengeistes zu uns durch die Sagen und Märchen; und erst dann können wir deren tiefen Sinn verstehen, wenn wir sie vom Standpunkte wahrer Geisteswissenschaft betrachten. Wir könnten glauben, wenn wir eine solche Erzählung hören, diese Erklärung, die anknüpft an die Erinnerung eines wahren Tatbestandes bei der Menschheit, sei tief genug. Doch sie ist noch viel tiefer. Es kommt bei diesen Sagen auch nicht nur darauf an, was gesagt wird, sondern auch wie es gesagt wird. Wenn man wirklich ihren Weisheitskern erforscht, so sieht man, daß ein scheinbarer Widerspruch sich löst. Denn es könnte ja als Widerspruch erscheinen, daß die Frau, die sich dieses Organ bewahrt hat, die äußeren Gegenstände an das eine Auge hält und mit diesem Auge sieht und erkennt, während man doch die Dinge der Außenwelt nur mit den jetzigen zwei Augen sehen kann. Gerade darin liegt aber eine tiefe Mysterienwahrheit, die wir nur tief genug fassen müssen; dann können wir einen Blick hinein tun in das Geschehen, in das die Menschheit mit hineinverflochten ist. Wir werden sehen, wie praktisch und ganz alltäglich anwendbar eine solche Wahrheit ist, die wir herausholen aus den Tiefen der Mysterienweisheit.

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Cite: GA 101/1907-10-21/p011 · edition original