Dritter Vortrag
Nun denken Sie sich einmal, wie segensreich die Wissenschaften werden wirken können für die Menschen, wenn die, welche dazu berufen sind, die Wissenschaften zu repräsentieren, wieder wissen werden, wie die menschlichen Organe diesem Verhärtungs- und Erweichungsprinzip unterliegen. In diesem Sinne ist es gemeint, daß das, was die Geisteswissenschaft sagt, praktisch anwendbar sei in seiner Wirkung auf das Leben. Wenn diese Dinge Anwendung finden und Wirkung haben im Leben, und wenn man solche Wahrheiten, wie sie angedeutet sind in dem alten mongolischen Märchen, mit geisteswissenschaftlichem Blick durchdringt, dann wird man manches jetzt rätselhaft Erscheinende wieder besser verstehen und seine Wahrheit erkennen können. Man wird mit anderen Sinnen die Welt betrachten und wird zum Beispiel die merkwürdige Erscheinung des Vogelfluges verstehen lernen. Auf wunderbaren Bahnen ziehen die Vögel mit der einbrechenden kalten Herbsteszeit vom äußersten Norden nach dem wärmeren Süden, manchmal Hunderte von Meilen, und gelangen im Frühling zurück auf anderen Wegen. Wir haben gesagt, daß die Vögel ein Geschlecht sind, das auf einer früheren Stufe der Entwickelung stehengeblieben ist. Sie wissen, daß der eigentliche Fortschritt auf der Erde erst begann in dem Zeitpunkt, als sich der Mond von der Erde abtrennte. Früher, als die Erde noch mit dem jetzigen Monde zusammen einen Himmelskörper bildete, den sogenannten Erden-Mond oder die Mond-Erde, da bewegte sich dieser Körper um die Sonne in einer bestimmten Bahn und in einer gewissen Zeit, indem er ihr stets eine Seite zuwendete. In dieser Zeit wanderten alle Lebewesen einmal um den Mond herum, um einmal die Sonneneinwirkung zu empfangen. Jener Zug um den Planeten hat sich heute noch erhalten im Vogelflug, weil die Vögel damals, bevor das Ich in die Erdenentwickelung eintrat, sich abgespalten haben von der fortschreitenden Entwickelung auf der Erde.
Cite:
GA 101/1907-10-21/p036 · edition original