Weisse und Schwarze Magie

GA 101/1907-10-21_02/p015 ·1907-10-21 · original (original)
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Nun unterscheidet sich aber sowohl vom Hellseher als auch vom Eingeweihten der Magier. Für den, der selbst in die höheren Welten hineinschauen kann, folgt noch lange nicht, daß er die in die sinnliche Welt hineinwirkenden Kräfte auch schon beherrschen und anwenden kann. Oder glauben Sie, daß ein Mensch, der in eine Gegend die Kenntnis von der Lokomotive, dem Dampfschiff und der Dampfmaschine gebracht hat, nun auch gleich eine solche Maschine bauen könnte? Er kann ihnen erzählen, wie solche Dinge ausschauen, aber er wird nicht gleich verstehen, sie zu bauen. Daß der Hellseher selbst hineinsehen kann in die höheren Welten, daraus folgt noch nicht, daß er auch die Kräfte, die hereinwirken in die Sinneswelt, zu beherrschen und anzuwenden versteht. Der erst ist Magier oder Adept, der die höheren Kräfte, von denen alles physische Geschehen ein Ausdruck ist, in der Welt hier anzuwenden versteht, der also imstande ist, nicht nur die physischen Kräfte und die physischen Mächte zu Rate zu ziehen, wenn es sich um irgend etwas bei seinem Tun handelt, sondern der die höheren Kräfte spielen lassen kann. Das ist in unserer Zeit eigentlich keine Kleinigkeit, Magier oder Adept zu sein. Es gibt keine Zeit in der Menschheitsentwickelung, die dem Magiertum oder Adeptentum so durchaus entgegengesetzt war, wie unsere heutige es ist. Und man dient heute der Menschheit unter gewissen Verhältnissen am besten dadurch, daß man sich darauf beschränkt, die Erkenntnisse der höheren Welten zu verbreiten, und selbst - vielleicht mit blutendem Herzen - auch in Fällen, wo die Anwendung magischer Kräfte vielleicht am Platze wäre, darauf verzichtet. Denn das heutige öffentliche Leben ist so fremd dem Begriffe des Magiertums, daß unter Umständen der Einfluß höherer Welten auf diese unsere Welt einen Rückschlag bedeuten würde, wenn unmittelbar magische Kräfte angewendet würden. Wer eine gewisse Übung in der Anwendung der Kräfte hat, und zu den Kenntnissen sich auch den Mechanismus angeeignet hat, der muß in gewissen Fällen sich enthalten, diese Kräfte anzuwenden, aus dem einfachen Grunde, weil es unmöglich ist, heute gegen die Strömung der Zeit in der Welt anzulaufen. Zum Magier gehört nicht nur Hellsehen und Einweihung, zum Magier gehört auch Übung. Das ist es, um was es sich handelt. Der Magier muß entsagungsvoll durch lange Zeiten hindurch gewisse Verrichtungen sich aneignen, er muß sich üben. Denken Sie nur einmal, wieviel Sie wissen können - schon in der physischen Welt -, ohne daß Sie selbst in der Lage wären, auch wirklich das ausführen zu können, wovon Sie erzählen können, wovon Sie etwas wissen. In vieles können Sie eingeweiht sein. Ganz genau können Sie wissen, wie eine Lokomotive konstruiert ist, aber ohne daß Ihnen jemand gleich den Auftrag geben würde, eine Lokomotive zu bauen, da er damit riskieren würde, das Geld zum Fenster hinauszuwerfen. So ist es auch auf den höheren Gebieten. Übung macht den Magier, Wahrnehmen in den höheren Welten macht den Hellseher, Wissen und Erkenntnis der Gesetze in den höheren Welten macht den Eingeweihten.

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Cite: GA 101/1907-10-21_02/p015 · edition original