{"corpus":"steiner","locus":"GA 101/1907-12-27/p006","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun müssen wir uns klarmachen, welches von diesen menschlichen Gliedern das ausgebauteste, das vollkommenste ist. Einige von Ihnen haben das ja schon von mir auseinandergesetzt bekommen, daß - so wie der Mensch heute entwickelt ist - der physische Leib das ausgebauteste, das am vollkommensten entwickelte Glied ist. Man darf nur nicht verwechseln «ausgebauteste und am vollkommensten entwickelte» mit «höher geartet». Gewiß sind der Ätherleib und der Astralleib dem Grade nach höherer Art als der physische Leib, aber die Vollkommenbeit ihrer Entwickelung werden Ätherleib und Astralleib erst in der Zukunft erringen. In seiner Art ist der physische Leib heute das vollkommenste Glied am Menschen. Wer den physischen Leib studiert, aber nicht bloß anatomisch und physikalisch, sondern sein Gemüt und Herz durchdringend, der wird bewundernd dastehen vor der ungeheuren Weisheit, die in den physischen Leib hineingebaut ist. Unser physischer Leib zeigt uns in jedem kleinsten seiner Glieder den vollkommenen weisen Bau. Wenn Sie von diesem physischen Leib meinetwillen nur ein Stück Oberschenkelknochen nehmen, den obersten Teil des Oberschenkelknochens, so ist das nicht eine massive Masse, das ist ein weiser Bau, wunderbar aus kleinen Balken zusammengefügt. Wenn Sie studieren, wie die feinen Balken zusammengefügt sind, werden Sie finden, daß alles so gebaut ist, daß es mit dem kleinsten Aufwand von Substanz das größte Ausmaß von Kraft hervorbringt, damit durch diese beiden Säulen des Oberschenkelknochens der Oberkörper getragen werden kann. Auch die vollendetste Ingenieurkunst kann heute nicht mit einer solchen Weisheit eine Brücke oder irgendein Gerüst aufbauen, wo mit einem so kleinen Aufwand von Material ein so großes Ausmaß an Kraft entfaltet wird. Die menschliche Weisheit hinkt hinter dieser Weisheit, mit der der menschliche physische Leib auferbaut ist, weit, weit zurück. So ist es mit allen Teilen des physischen Leibes. Wenn Sie das Gehirn mit dem Nervensystem betrachten, es ist ein Wunderbau. Und wenn Sie das menschliche Herz betrachten, das erst auf dem Wege zu seiner Vollendung ist, das viel, viel höhere Grade der Vollendung erreichen wird - es ist etwas Wunderbares! Wenn Sie mit dieser Vollendung des physischen Leibes den Astralleib vergleichen mit seinen Trieben, Instinkten und Leidenschaften, so müssen wir sagen: Obwohl er einstmals höher stehen wird als der physische Leib, befindet er sich heute noch auf einer verhältnismäßig untergeordneten Stufe. In allem, was der Mensch heute an Begierden nach Genüssen entwickelt, liefert er Hunderte und Hunderte von Attacken auf den physischen Leib. Alles, was der Mensch begehrt und befriedigt in Genüssen, die er sich verschafft, wie Alkohol und alle möglichen anderen Dinge, sind im Grunde genommen geradezu Herzgifte, mit denen er fortwährend Attacken ausführt auf den Weisheits- und Wunderbau seines physischen Leibes. Es wird lange Zeit der Entwickelung bedürfen, bis der Astralleib nachgekommen sein wird dem, was der physische Leib heute an Vollkommenheit schon hat.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Gruppen-Ich und Individual-Ich","site_heading":null,"date":"1907-12-27","location":null,"word_count":454,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/101/1907-12-27/p006","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/101/1907-12-27/p006"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/101/1907-12-27/p006","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}