{"corpus":"steiner","locus":"GA 101/1907-12-29/p007","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das beste Mittel für einen größeren Menschenkreis, zu einem sinnlichkeitsfreien Denken zu kommen, ist heute die Theosophie, wenn die Theosophie so aufgefaßt wird, daß der Mensch lernt, die Vorstellungen loszulösen von der Sinnlichkeit. Namentlich auf den Gebieten, die ein wenig über das Allerelementarste hinausgehen, wird der Mensch durch Theosophie zu sinnlichkeitsfreiem Denken geführt. Wenn Sie sich zum Beispiel klarmachen wollen, was der Ätherleib oder der Astralleib ist, so können Sie diese ja äußerlich nicht sehen. Gerade das gibt Ihnen die Theosophie, daß sie Dinge beschreibt, die Sie äußerlich nicht sehen können. Oder wenn wir in der Theosophie den alten Mond beschreiben, dann entwerfen wir von ihm ein Bild, ein möglichst drastisches sogar, in dem wir sinnliche und übersinnliche Vorstellungen zusammenfügen, so daß ein materialistisch gesinnter Mensch sagen würde: Der malt da etwas hin, was gar nicht möglich ist. - Ja, man muß in der Theosophie etwas für heutige Verhältnisse geradezu Unmögliches lehren und den alten Mond so beschreiben, daß auf ihm keine solchen Felsen, Mineralien und Steine waren, wie sie heute auf unserer Erde sind. Der ganze alte Mond bestand aus einer lebendigen Substanz, die man vergleichen könnte in der Dichtigkeit mit einer Art Spinatbrei oder Kochsalat, also ein Körper zwischen Mineralien und Pflanzen mittendrin, ein halb pflanzlicher, halb mineralischer Körper. Wir finden auf dem alten Mond etwas wie ein halb-pflanzliches Leben. Solche Mineralien wie heute gab es damals noch nicht. Wenn Sie die heutigen Torfmoore betrachten, wo auch eine Art halb-pflanzliche Substanz ist, würden Sie ein äußerlich ähnliches Bild bekommen, wie die Substanz des alten Mondes war. Statt Felsen und Berge würden Sie auf dem alten Monde höchstens so etwas gefunden haben, wie es heute die Borke unserer Bäume ist. Nun wird Ihnen jeder Naturforscher heute einwenden, so etwas könne nicht als Planet existieren. - Aber darauf kommt es ja gerade an - und es ist eine Notwendigkeit, um andere Entwickelungsepochen zu verstehen -, daß der Mensch sein Denken losreißt von dem, was heute den Vorstellungen von gewöhnlichem sinnlichen Denken und Empfinden anhaftet, und zu einem sinnlichkeitsfreien Denken kommt. Sinnlichkeitsfreies Denken ist nicht abstraktes Denken, sondern sehr, sehr wirkliches Denken. Wenn wir uns den alten Mond als eine Art großen Kochsalat denken mit eingeschlossener Borke und so weiter, so ist das «sinnlich-übersinnlich» gedacht, wie Goethe sagt. Indem Sie Farbe und Form loslösen von der Sinnlichkeit und sie frei in den Raum hinaus projizieren, haben Sie durch sinnlichkeitsfreies Denken Vorstellungen gewonnen. Wer dies als eine feste Grundlage betrachtet, der wird niemals straucheln können beim Aufsteigen in höhere Welten.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Bildhafte Vorstellungen als notwendiges Erziehungsmittel zur Geistesschulung","site_heading":null,"date":"1907-12-29","location":null,"word_count":418,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/101/1907-12-29/p007","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/101/1907-12-29/p007"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/101/1907-12-29/p007","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}