Bildhafte Vorstellungen als notwendiges Erziehungsmittel zur Geistesschulung
Wenn man dieses Vorgehen, das zum Beispiel in den Rosenkreuzer-Schulen gelehrt wurde, in einen Dialog zwischen Lehrer und Schüler fassen würde, so könnte man das so ausdrücken: - In Wirklichkeit hat ein solcher Dialog nie so stattgefunden, wir können es aber einmal so darstellen, um zu zeigen, was der Schüler in langen, langen Erlebnissen nach und nach durchmachen mußte. - Der Lehrer sagte dem Schüler: Sieh dir einmal die Pflanze an, wie sie ihre Wurzel in die Erde hinein richtet, wie sie mit dem Stengel und der Blüte der Sonne entgegenwächst und ihre Fruchtorgane zur Entfaltung bringt. Und jetzt stelle dir dagegen den Menschen vor. - Der Mensch wird schlecht verglichen mit der Pflanze, wenn man seinen Kopf mit der Blüte und seine Fortpflanzungsorgane mit der Wurzel der Pflanze vergleicht. Selbst Darwin, der große Naturforscher, hat diesen Vergleich richtig gebraucht, indem er den Kopf des Menschen mit der Wurzel der Pflanze verglich, so daß selbst für Darwin die Pflanze der auf den Kopf gestellte Mensch ist. Was die Pflanze keusch dem Sonnenstrahl entgegenhält, ihre Fortpflanzungsorgane, das richtet der Mensch dem Mittelpunkte der Erde zu, so daß wir also im Menschen eine Umkehrung der Pflanze zu denken haben, indem er alle die Kräfte, die bei der Pflanze nach dem Mittelpunkte der Erde gerichtet sind, frei nach dem sonnenerfüllten Kosmos richtet, und jene Organe, die die Pflanze keusch dem Sonnenstrahl entgegenstreckt, schamvoll nach der Erde richtet. Das Tier steht mitten darinnen.
Cite:
GA 101/1907-12-29/p011 · edition original