Bildhafte Vorstellungen als notwendiges Erziehungsmittel zur Geistesschulung

GA 101/1907-12-29/p035 ·1907-12-29 · original (original)
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In der atlantischen Zeit hat der Mensch gar nicht Gegenstände draußen gesehen. Er hat gewußt, daß er in einer geistigen Substanz darinnen ist und konnte deshalb Geistiges innerlich sehen. Erst ungefähr im letzten Drittel der atlantischen Zeit ist ihm das Geisteslicht erloschen, und der Mensch hat nur noch die zurückgeworfenen Strahlen des Geisteslichtes gesehen. Denken Sie sich, Sie blicken in eine Glasscheibe und haben das Bewußtsein Ihrer eigenen geistigen Eigenschaften. Nun streicht jemand auf die Rückseite der Glasscheibe Spiegelsubstanz; dadurch sehen Sie in der Glasscheibe nicht mehr Ihre eigene Wesenheit, sondern nur das vom Spiegel zurückgeworfene Bild. Der Mensch sieht jetzt sein Bild; und nun entsteht ihm die Illusion, daß das, was er da sieht, sein Ich sei. Diese Illusion ist wunderbar ausgedrückt in der Bibel. Der Mensch verlor das Paradies, als er so in die Sinnlichkeit hineinverschlungen wurde, daß er sich selbst sah. Vorher hatten Adam und Eva nicht «gesehen», jetzt «wurden ihnen die Augen aufgeran, und sie wurden gewahr, daß sie nackt waren». Und weil hier eigentlich eine Täuschung eintrat, schreibt die Sage den Tatbestand des äußeren Sichtbarwerdens der Gegenstände dem luziferischen Prinzip zu.

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Cite: GA 101/1907-12-29/p035 · edition original