Erster Vortrag

GA 102/1908-01-06/p027 ·1908-01-06 · original (original)
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Da sehen Sie, wie fein und intim man selbst die alltäglichsten Dinge vom geistigen Standpunkt aus beobachten muß, wenn man sich über das Leben klar werden will. Es könnte Ihnen viel erzählt werden über Leute, die mehr oder weniger bewußt oder unbewußt verstanden, solche Geister zu kommandieren, die namentlich durch die Gerüche auf den Menschen wirken und mit den Gerüchen sich in den Menschen einschleichen. Wenn Sie manches aus der Geschichte dieser oder jener Zeit tiefer und intimer kennen würden, namentlich aus der Geschichte Frankreichs zur Zeit Ludwigs XIII., XIV., XV., mit all den Künsten, die da entfaltet wurden, wo tatsächlich Aromas eine wichtige Rolle gespielt haben beim Intrigenspiel, dann würden Sie eine Ahnung haben, was Menschen zu tun vermögen, welche, bewußt oder unbewußt, die Geister zu kommandieren verstehen, die sich in den Parfüms und ‚Aromas in das menschliche Sinnesempfinden einschleichen. Ich könnte Sie verweisen auf ein ganz anziehendes Buch, das vor kurzem geschrieben worden ist von dem Minister eines kleinen Hofes. Er schrieb das selbstverständlich ganz ohne Kenntnis dieser Tatsachen, aber über die Wirkungen war er sich klar. Ein sehr interessantes Buch über einen kleinen Hof ist es, an dem sich in den letzten Jahren eine wichtige Katastrophe zugetragen hat. In dem Buch schildert der betreffende Minister und Würdenträger aus seinen Memoiren heraus die Wirkungen einer Person, die in einer gewissen Weise die Aromas mit ihren Geistern zu kommandieren verstand. Und er schildert das mit einer gewissen Befriedigung, weil er gewappnet dagegen war und nicht hereingefallen ist. Sie sehen, die Dinge sind nicht ohne Bedeutung und ohne Wirkung für die Praxis des Lebens. Wenn man das Leben nicht wie ein blinder Materialist, sondern wie ein sehender Mensch auffaßt, dann kann man überall die geistigen Einflüsse spüren, und wer die Einflüsse kennt, der versteht erst das Leben.

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Cite: GA 102/1908-01-06/p027 · edition original