{"corpus":"steiner","locus":"GA 102/1908-03-24/p017","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"So wurden die einen die Geister der Umlaufszeiten und regelten die aufeinanderfolgenden Inkarnationen. Der Christus wurde der Mittelpunkt, insofern die einzelnen Persönlichkeiten der Menschen geheiligt und geläutert werden sollten. Alles, was der Mensch aus der einzelnen Persönlichkeit als Frucht hineinbringen kann in die Individualität, erlangt er dadurch, daß er einen Zusammenhang hat mit dem Christus-Wesen. Das Hinschauen, das Sich-verbunden-Fühlen mit dem Christus-Wesen läutert und veredelt die Persönlichkeit. Wäre die Erdentwickelung verlaufen ohne die Erscheinung des Christus, so wäre der Leib des Menschen, wenn wir den Ausdruck umfassend gebrauchen, böse geblieben; er hätte sich mit der Erde verbinden müssen und wäre für immer der Materialität verfallen. Und wenn trotzdem die Geister der Weisheit. nicht darauf verzichtet hätten, den Menschen gleich im Anfange der eigentlichen Erdentwickelung zu vergeistigen, so hätte folgendes eintreten können: Entweder hätten die Geister der Weisheit sogleich bei Beginn der Erdentwickelung — also in der lemurischen Zeit - den Menschen herausgerissen aus dem Leib, ihn einer raschen geistigen Entwickelung entgegengeführt und seinen Leib rasch verbrannt; dann hätte die Erde niemals ihre Mission erfüllen können. Oder die Geister der Weisheit hätten gesagt: Das wollen wir nicht; wir wollen, daß sich der Leib des Menschen voll entwickle; aber wir selber haben daran kein Interesse, also überlassen wir das dem Spätgeborenen, dem Jehova, der ist der Herr der Form! Dann wäre der Mensch mumifiziert worden, wäre vertrocknet. Der Leib des Menschen aber wäre mit der Erde verbunden geblieben; er wäre niemals einer Vergeistigung entgegengegangen. Beide Wege wurden nicht gewählt; sondern damit ein Gleichgewicht eintreten konnte zwischen den Geistern der Weisheit und dem Letztgeborenen des Mondes, dem Herrn der Form, der der Ausgangspunkt für das Schaffen des Mondes ist, wurde eine Mittellage geschaffen; und diese Mittellage bereitete vor die Erscheinung des Christus, der über die Weisheit erhaben ist, vor dem die Geister der Weisheit ihr Antlitz in Demut verhüllen, und der dadurch, daß die Menschen sich immer mehr mit seinem Geiste erfüllen und durchdringen, die Menschen erlösen wird. Und wenn die Erde selbst an dem Punkte anlangt, wo der Mensch sich voll vergeistigt haben wird, dann wird nicht ein trockener Ball herausfallen aus der Evolution, sondern es wird der Mensch durch das, was er aus der Entwickelung hat herausholen können, seine sich immer mehr veredelnde Menschenform der vollständigen Vergeistigung entgegenführen. Und wir sehen, wie die Menschen sich vergeistigen. Wenn wir uns die ursprünglichen Menschenkörper der lemurischen Zeit ansehen würden - ich werde niemals in einem öffentlichen Vortrag diese lemurischen Menschenkörper beschreiben! -, so würden wir finden, daß sie sich uns an der äußersten Grenze der Häßlichkeit stehend darstellen. Erst allmählich bilder sich der menschliche Körper in der Form, wie wir ihn heute kennen. Und immer veredelter und veredelter treten die Menschen auf, indem sie von der Liebe immer mehr und mehr gereinigt werden. Aber auch über das heutige Menschenantlitz wird sich der Mensch hinausentwickeln. Wie sich der Menschenleib immer mehr vergeistigt hat seit der lemurischen Rasse, so wird sich auch das menschliche Antlitz immer mehr vergeistigen. Wir sind heute in der fünften Rasse. Wie sich jetzt schon im menschlichen Antlitz das Gute und Edle, das in der Seele lebt, ausprägt, so wird in der sechsten Rasse des Menschen Antlitz leuchten von innerer Güte. Eine ganz andere Physiognomie wird der Mensch dann haben, so daß man an der äußeren Gestalt erkennen wird, wie gut und wie edel er ist, und erkennen wird man an dem Antlitz, was für innere seelische Eigenschaften in dem Menschen sind; und immer mehr wird sich das, was an Edelmut und Güte in der Menschenseele enthalten ist, der menschlichen Physiognomie einprägen, bis am Ende der Erdenzeit das Leibliche des Menschen ganz durchdrungen ist vom Geistigen und sich ganz und gar abheben wird von denen, die an der Materialität hängen geblieben sind, die das Abbild des Bösen darstellen werden, die zurückbleiben auf dem mineralischen Standpunkt. Das ist das, was kommen wird, und was man das «Jüngste Gericht» nennt, die Scheidung von Guten und Bösen. Es ist die Vergeistigung des menschlichen Körpers oder, wie man es populär nennt, die «Auferstehung des Fleisches». Man muß diese Dinge nur verstehen mit dem gesunden Sinn aus dem Okkultismus heraus; dann kann gar kein Angriff gegen sie geführt werden. Die Aufklärerei wird allerdings nicht verstehen können, daß das, was Materie ist, einmal etwas anderes werden könnte als Materie. Was im besten Sinne des Wortes genannt werden könnte der «Wahnsinn der Materialität», das wird sich niemals vorstellen können, daß das Materielle sich einmal vergeistigen könnte, das heißt, daß einmal so etwas eintreten wird, was man nennt die Vergeistigung, die Auferstehung des Fleisches. Aber die Dinge sind so, und so ist der Gang der Erdentwickelung, und so ergibt sich der Sinn der Erdentwickelung und die Stellung des Christus innerhalb der Erdentwickelung.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Sechster Vortrag","site_heading":null,"date":"1908-03-24","location":null,"word_count":783,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/102/1908-03-24/p017","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/102/1908-03-24/p017"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/102/1908-03-24/p017","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. 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