The Festivals and Their Meaning II: Easter

GA 102/1908-04-13/p007 ·1908-04-13 · original (original)
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Man kann es weiter als ein Symptom empfinden, als einen Hinweis auf die Zukunft, wenn in dem Lande, wo die Götter der Götterdämmerung so lebendig waren wie nur irgend möglich, diese Götter in der Richard Wagnerischen Form wieder erstehen, auferstehen außerhalb des in engen Grenzen sich bewegenden religiösen Lebens. Denn wer nur ein wenig die Zeichen der Zeit zu deuten vermag, wird in Richard Wagners Kunst den ersten aufleuchtenden Stern sehen, wie das Christentum in seiner tiefsten Idee heraustritt aus dem engen Rahmen des religiösen Lebens in den weiten Umkreis moderner geistiger Kultur. Man möchte es förmlich in Richard Wagners Seele selbst erlauschen, wie die religiöse Idee des Christentums heraustritt,-wie sie die religiösen Fesseln sprengt und etwas Umfassenderes wird. Wenn er an den Ufern des Zürichsees von der Villa Wesendonk aus, gerade am Karfreitag des Jahres 1857, hinausblickt auf die ersten aufsprießenden Frühlingsblumen und ihm in diesem aufsprießenden Leben der erste Seelenkeim des «Parsifal» aufgeht, so ist das eine solche Transformation dessen, was im Christentum zunächst als religiöse Idee lebt, auf einen größeren Plan hinaus. Und nachdem er sich zuerst erhoben hat in seinem Gemüt zu jener prophetischen Vorherverkündigung des Christentums, die bei ihm so gewaltig aufleuchtete in seiner Nibelungenring-Dichtung, ist später im «Parsifal» diese christliche Idee ganz herausgetreten und hat einen weiteren Horizont gewonnen. Damit ist sie der Ausgangspunkt für jene Zukunft geworden, wo das Christentum nicht nur religiöses Leben sein wird, sondern Erkenntnisleben, Kunstleben, Schönheitsleben im umfassenden Sinne des Wortes.

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