The Festivals and Their Meaning II: Easter

GA 102/1908-04-13/p012 ·1908-04-13 · original (original)
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Das war etwa in der Mitte der atlantischen Zeit noch nicht so. Da bietet das Bewußtseinsleben des Menschen ein wesentlich anderes Bild. Wenn der Mensch des Morgens untertauchte in seinen physischen Leib und seinen Ätherleib, dann traten ihm nicht jene bestimmten, scharf umrissenen Bilder der physischen Außenwelt entgegen, sondern die Bilder waren viel unbestimmter, etwa so, wie uns heute die Straßenlaternen im dichten Nebel wie aurisch umsäumt erscheinen von regenbogenförmigen Farbengebilden. Da haben Sie einen kleinen Vergleich, um sich eine Vorstellung von dem zu bilden, was der Atlantier in der Mitte seines Zeitalters sah. Nur waren diese Farben, die die Gegenstände umsäumten und die ihre scharfen Grenzen, wie sie der Mensch heute sieht, noch nicht zuließen, und auch die Töne, die aus den Gegenständen erklangen, noch nicht solche nüchternen Farben und Töne wie heute. Es drückte sich in diesen Farbenrändern, die auch alle lebenden Wesen umgaben, etwas aus von dem inneren Seelenleben der Wesen, so daß der Mensch, wenn er in seinen physischen und seinen Ätherleib untertauchte, noch sozusagen etwas von dem geistigen Wesen der Dinge, die um ihn herum waren, wahrnahm, zum Unterschied von heute, wo er, wenn er am Morgen untertaucht in seinen physischen und Ätherleib, bloß die physischen Dinge in ihren scharfen Grenzen und farbigen Oberflächen wahrnimmt. Und wenn des Abends der Mensch seinen physischen und seinen Ätherleib verließ, dann breitete sich um ihn herum nicht lautlose Stille und Finsternis aus. Dann waren diese Bilder, die er wahrnahm, höchstens ein wenig anders, aber kaum viel schwächer als am Tage. Es bestand nur der Unterschied, daß er während des Tageslebens die äußeren Gegenstände des mineralischen, pflanzlichen, tierischen und Menschenreiches wahrnahm. Des Nachts aber, wenn der Mensch sich heraushob aus seinem physischen und Ätherleib, dann war ihm der Raum auch von solchen Farbenbildern und Tönen erfüllt, auch von allen möglichen Eindrücken des Geruchs und Geschmacks, von allem, was ringsherum war. Aber diese Farben und Töne und diese Eindrücke von Wärme und Kälte, die er da wahrnahm, das waren die Kleider und Hüllen von geistigen Wesenheiten, welche gar nicht heruntergestiegen waren bis zu einer physischen Verkörperung, von Wesenheiten, deren Namen und Vorstellung in den Sagen und Mythen erhalten sind. Denn Sagen und Mythen sind nicht «Volksdichtungen», sondern Erinnerungen an jene Schauungen, welche die Menschen in alten Zeiten in solchen Zuständen hatten; denn diese Menschen nahmen Geistiges bei Tag und Geistiges bei Nacht wahr. Der Mensch lebte wirklich umgeben in der Nacht von jener nordischen Götterwelt, die in Sagen und Mythen erhalten ist. Odin und Freya und all die anderen Gestalten der nordischen Sage sind nicht erfunden. Sie sind ebenso wahr erlebt worden in der geistigen Welt von jener Vormenschheit, wie heute der Mensch in seiner Umgebung seine Mitmenschen erlebt. Und die Sagen und Mythen sind die Erinnerungen an das, was der Mensch in allem erlebte, was er in seinem dämmerhaften, hellseherischen Zustande durchgemacht hat.

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Cite: GA 102/1908-04-13/p012 · edition original