The Festivals and Their Meaning II: Easter
Immer mehr verschwanden aber diese Tatsachen. Immer mehr wurde der Inhalt der geistigen Welten zu einer Erinnerung, zum Teil aufbewahrt in Traditionen von dem, was man aus alten Zeiten erzählte, daß es die Vorväter gesehen hätten, zum Teil aufbewahrt in den Sagen und Mythen und in dem, was einzelne, besonders veranlagte hellsehende Menschen davon noch selbst sahen. Vor allem wurde dieser Inhalt der geistigen Welten aber aufbewahrt in dem, was in den Mysterien die Mysterienpriester hüteten. Alles was die Hermespriester in Ägypten, die Priester des Zarathustra in Persien, was die chaldäischen Weisen, was die indischen Nachfolger der heiligen Rishis bewahrten, das war nichts anderes als die Kunst, den Menschen in der Einweihung wieder zum Zeugen dessen zu machen, was die Vormenschheit auf natürliche Weise in ihrer Umgebung gesehen hat. Und je nachdem ein Volk beschaffen war, mit seinen besonderen Befähigungen und Empfindungen, je nach dem Klima, in dem es lebte, wurde dasjenige, was in den Mysterien aufbewahrt wurde, in der Religion des Volkes verbildlicht, da in dieser und dort in jener Religion. Aber die Urweisheit lag allen diesen Religionen zugrunde als die große Einheit derselben. Diese Urweisheit war die gleiche, eine einheitliche, ob sie Pythagoras in seiner Schule pflegte, ob die Hermesschüler in Ägypten, ob die chaldäischen Weisen in Vorderasien, ob Zarathustra in Persien oder die Brahmanen in Indien sie lehrten: überall die gleiche Urweisheit, nur abgestuft nach den Bedürfnissen und nach den besonderen Verhältnissen in den Volksreligionen, wie sie uns in den einzelnen Gegenden entgegentreten. Da sehen wir das Werden der religiösen Kultur.
Cite:
GA 102/1908-04-13/p022 · edition original