Achter Vortrag

GA 102/1908-04-20/p004 ·1908-04-20 · original (original)
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Wir wissen ja, daß der Mensch, wie er jetzt ist, in einer langen Evolution erst geworden ist, daß er sich durch planetarische Zustände hindurch bis zu seiner heutigen Höhe entwickelt hat. Wir wissen auch, daß er sich in der Zukunft zu höheren Entwickelungsstufen emporheben wird. Nun haben wir uns ja schon mit dem Gedanken bekanntgemacht, daß damals, als der Mensch auf dem alten Saturn noch in einem ganz dumpfen Bewußtseinszustand war, auch schon Wesen vorhanden waren, welche so hoch standen, wie der Mensch heute steht; es gab auch damals schon Wesenheiten, die weit höher standen, als der Mensch heute steht. Wir wissen, daß es auch heute Wesenheiten gibt, die in der Gegenwart eine Entwickelungsstufe erlangt haben, die der Mensch erst in der Zukunft erlangen wird. So können wir den Blick erheben zu einer - wie man sie im Okkultismus nennt - Hierarchie von dem Menschen übergeordneten Wesenheiten, die immer eine Stufe höher stehen als der Mensch. Diese nächste Stufe von Wesenheiten, welche über dem Menschen stehen, nennen wir in der esoterisch-christlichen Bezeichnung «Engel», «Angelos». Also sind uns Engel Wesenheiten, die bereits auf der Mondenstufe, dem planetarischen Vorgänger unserer Erde, das Menschenbewußtsein erlangt hatten, und die heute um eine Stufe höher stehen als der Mensch. Der Mensch selbst wird auf der Stufe des Jupiterdaseins dasjenige Bewußtsein haben, das heute das Bewußtsein dieser Wesenheiten ist, die wir als Engel, Angeloi, bezeichnen. Damit haben wir die erste Stufe der über dem Menschen stehenden Wesenheiten bereits ins Auge gefaßt. Wir kennen ja aus gewissen anderen Zusammenhängen bereits die folgenden Stufen. Wir wissen, daß wir von den Engeln aufwärts die «Erzengel» haben, «Archangeloi»; dann haben wir die Ordnung der «Urkräfte», die wir auch «Archai» nennen; dann kennen wir die «Offenbarungen» oder «Gewalten», «Exusiai»; dann haben wir die sogenannten «Mächte», «Dynamis», die «Herrschaften», «Kyriotetes»; dann die «Throne», die «Cherubim» und die «Seraphim». Erst dann, jenseits der Seraphim, würden wir von dem sprechen, was man im christlichen Sinne die eigentliche «Gottheit» nennt. Denn der wirkliche Okkultist, die wirkliche Geisteswissenschaft oder der Okkultismus kann nicht die gewöhnliche, triviale Vorstellung teilen, daß der Mensch unmittelbar aufblikken könnte zur höchsten Gottheit; sondern wir haben die ganze Leiter von Wesenheiten, die wir im christlichen Sinne Engel, Erzengel und so weiter nannten, dazwischen stehen. Und in einer gewissen Beziehung muß es uns als eine Bequemlichkeit des Geistes gelten, wenn man heute vielfach hören kann: Ach, was brauchen wir die ganze Stufenleiter von Wesenheiten, der Mensch kann doch in ein unmittelbares Verhältnis zu der Gottheit kommen! Diese Bequemlichkeit kann der Theosoph und Okkultist nicht mitmachen; denn die Wesenheiten sind durchaus wirklich, und wir wollen heute einiges sprechen von der Aufgabe, von der Arbeit dieser Wesen für die Weltevolution und von den Eigentümlichkeiten und Eigenschaften dieser Wesen.

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Cite: GA 102/1908-04-20/p004 · edition original