{"corpus":"steiner","locus":"GA 102/1908-05-13/p004","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn wir in die graue Vorzeit zurückgehen und die Sagen und Mythen durchforschen, die germanischen Götterlehren auf uns wirken lassen, so finden wir Mitteilungen aus übersinnlichen Welten in bildlicher Gestalt. Diese Mitteilungen sind nicht von der Volksphantasie ersonnene Bilder, Personifikationen, wie man es uns vom grünen Tisch aus glauben machen will, sondern es sind wirkliche Erinnerungen aus jener alten Zeit, wo die Menschen selbst noch wußten, was sie erfahren hatten. Die Sagen von Wotan, Thor und so weiter sind solche Erinnerungen. Und das, was bis in die nachatlantische Zeit hinein vorzugsweise dem Menschen geblieben ist, ist im höchsten Sinne des Wortes eine Art Gedächtnisreligion. Am weitesten vorgeschritten ist sie bei den Völkern, die in Asiens Süden leben, bei den indischen Völkern; in anderer Form machte sie sich geltend in Europa. In Indien machte sich die Erinnerung an jene Zeit der Menschheit, wo jeder noch selbst Wahrnehmungen in der geistigen Welt hatte, bemerkbar als eine Sehnsucht nach jener Welt. Man empfand das Wirkliche als Illusion, als Maja, und sehnte sich zurück nach jenen alten Zeiten. Joga nannte man dasjenige, was bei einzelnen Menschen hervorbrachte die Fähigkeit, einzudringen in die übersinnlichen Welten. Nicht alle Völker schritten so vor, daß sie Weise hatten, die sich bis zu Joga aufschwingen konnten. Andere Völker mußten sich mit den Erinnerungen begnügen, so besonders die Völker des Nordens. Ihre Eingeweihten drangen auch ein in die geistigen Welten, hatten auch unmittelbare Erfahrungen in der göttlichen Welt, aber die nordische Natur machte es ihnen schwer, in größerer Zahl einzudringen. Dadurch bildete sich die nordische Mythologie aus.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"An Outline of Religious Ideas in post-Atlantean Times","site_heading":null,"date":"1908-05-13","location":null,"word_count":257,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/102/1908-05-13/p004","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/102/1908-05-13/p004"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/102/1908-05-13/p004","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}