An Outline of Religious Ideas in post-Atlantean Times
Als die Pforten sich schlossen vor der übersinnlichen Welt, brauchte der Mensch in seiner künstlerischen Entwickelung ein Band, eine Verbindung der sinnlichen mit der übersinnlichen Welt. Früher, in der atlantischen Zeit, brauchte er das nicht, denn damals war er noch imstande, aus unmittelbarer Erfahrung die übersinnliche Welt kennenzulernen. Von den Göttern und Geistern brauchte man den Menschen erst zu erzählen, als sie die Wahrnehmung dafür verloren hatten, gerade wie man von Pflanzen nur denjenigen Menschen erzählen muß, die sie nie gesehen haben. Das ist der Grund der religiösen Entwickelung der nachatlantischen Zeit. Warum mußte denn ein Wesen übersinnlicher Art wie Christus in einer endlichen Persönlichkeit, in Jesus erscheinen und auf Erden wandeln? Warum mußte Christus eine historische Persönlichkeit werden? Warum mußten die Blicke der Menschen gebannt werden auf diese Gestalt? Wir haben gesagt, daß die Menschen nicht mehr hineinschauen konnten in die übersinnliche Welt. Was mußte geschehen, daß der Gott für sie eine Erfahrung werden konnte? Er mußte sinnlich werden, in einem sinnlich-physischen Leibe sich verkörpern. Das ist die Antwort auf die Frage. Solange die Menschen im Geistigen wahrnehmen konnten, solange sie dort in übersinnlicher Erfahrung die Götter wahrnehmen konnten, hätte kein Gott Mensch zu werden brauchen. Aber jetzt mußte der Gott da sein innerhalb der sinnlichen Welt. Aus diesen Gefühlen heraus sind die Worte der Jünger geflossen zur Bekräftigung dieser Tatsache: «Wir haben unsere Hände in seine Wunden gelegt », und ähnliche. So sehen wir, wie die Erscheinung des Christus Jesus selbst uns aus der Natur der nachatlantischen Menschen klar wird, wie wir erkennen, warum eigentlich Christus für die sinnliche Wahrnehmung sich offenbaren mußte. Die stärkste historische Tatsache mußte da sein für die Menschen. Das geistige Selbst mußte auf sinnliche Art da sein, damit die Menschen einen Anhaltspunkt hatten, der sie verbinden konnte mit der übersinnlichen Welt.
Cite:
GA 102/1908-05-13/p016 · edition original