Zehnter Vortrag
Nehmen Sie nun den physischen Menschenleib, wie Sie ihn vor sich haben, und nehmen Sie alles das, was dieser physische Menschenleib ist, als das Werkzeug des denkenden, intelligenten Ich, Sie machen sich am besten klar, was damit gemeint ist, wenn Sie daran denken, daß das Ich selbst von Inkarnation zu Inkarnation dasselbe bleibt, daß aber das Werkzeug mit jeder Inkarnation neu aufgebaut wird. Das nun, was der Mensch an feinerer, materieller Organisation dem Tiere voraus hat, vor allen Dingen also diejenige Organisation, welche die menschliche Intelligenz offenbart, ist dadurch zustande gekommen, daß das Ich langsam und allmählich durch lange Zeit hindurch gelernt hat, an dem astralischen Leibe zu arbeiten. Denn wir wissen ja, daß der astralische Leib bei jedem Menschen aus zwei Teilen besteht, einen Teil, den er von dem Kosmos mitbekommen hat, an dem das Ich noch nichts getan hat, und einen anderen Teil, den das Ich bereits umgestaltet hat. In jedem Menschen sind diese zwei Glieder des astralischen Leibes bis zu einem gewissen Grade ausgebildet. Im höheren Nervensystem, namentlich im Gehirn, das mit jeder Inkarnation neu aufgebaut wird, haben Sie den äußeren materiellen Ausdruck für das, was der Mensch von seinem Ich aus an seinem astralischen Leibe gearbeitet hat, wenn auch zum größten Teil unbewußt. Daß der Mensch ein viel ausgebauteres und vollkommeneres Vordergehirn hat als die Tiere, rührt davon her, daß dieses Vordergehirn der Ausdruck, die Offenbarung ist des vom Ich aus bearbeiteten und umgestalteten astralischen Leibes. Aber der astralische Leib ist es dennoch, der auch in dem Nervensystem seinen äußeren Ausdruck hat. Nun werden wir leicht einsehen können, daß in dem Augenblick, wo irgendein Glied unseres Organismus umgebildet wird, eine Änderung des gesamten übrigen Organismus nötig ist. Warum kann der Mensch nicht auf vier Füßen gehen? Warum hat er seine vorderen Gliedmaßen zu Arbeitsorganen umgebildet? Weil er an seinem astralischen Leib arbeitete, und das bewirkte die notwendige Umgestaltung seiner vorderen Gliedmaßen zu Arbeitsorganen; und so ist auch die Gehirnform des menschlichen Leibes ein Ergebnis dieser inneren Arbeit. Immer ist das Äußere eine wirkliche Offenbarung des Inneren. Alles, was wir im physischen Leibe in seiner gegenwärtigen Entwickelungsphase sehen, ist ein spezifiziertes Ergebnis der geistigen Evolution.
Cite:
GA 102/1908-05-16/p012 · edition original