Zehnter Vortrag
Damit habe ich Sie in die Natur einer Reihe von Wesenheiten eingeführt, die wir immer genauer und genauer kennenlernen werden. Jetzt haben wir nur die Art und den Grund ihres Daseins und ihren Zusammenhang kennengelernt. Aber sie wirken in unserer Welt, und ihre Offenbarungen können wahrgenommen werden. Heute wollen wir uns weiter einen Begriff verschaffen von diesen sogenannten Elementargeistern. Diese Salamander kommen auch heute schon — das darf durchaus behauptet werden — in einer merkwürdigen Art zustande, wenn gewisse besonders niedriggeartete Menschennaturen, die sich aber durchaus weiter inkarnieren, einen Teil ihrer niedrigen Natur zurücklassen. Das sind besonders schlimme Elemente, diese zurückgebliebenen Naturen gewisser niederer Menschen in unserer Evolution, diese also teilweise ausgesonderten Menschennaturen, die als eine Art solcher Naturgeister geblieben sind und unser Dasein durchsetzen. Und vieles, was unseren geistigen Raum durchsetzt, was auf eine merkwürdige Art dem Menschen wahrnehmbar wird - wovon Sie sich nichts träumen lassen, nicht einmal, daß es da ist —, zeigt sich nur zu sehr in seinen Offenbarungen. Diese geistigen Wesenheiten haben alle eine teilweise Verwandtschaft mit dem Menschen, und sie greifen ein in die menschliche Evolution, wenn auch zumeist in störender Weise. Manche schlimme Kulturerscheinung, die heute als natürlich erscheint, wird erst dann für die Menschen erklärlich werden, wenn sie wissen, mit welchen störenden, retardierenden Kräften sie es zu tun haben. Die Wirkungen werden sich ausleben in manchen Dekadenzerscheinungen in unserer Kultur. Nur weil das durchaus gesehen wird von denen, die die Zeichen der Zeit zu deuten wissen, ist unsere Theosophische Gesellschaft entstanden, weil nur die Erkenntnis in der Welt gesundend wirkt. Derjenige, welcher ohne Erkenntnis in der Welt steht, muß diese Dinge auf sich wirken lassen und macht sich oft allerlei phantastische Vorstellungen von ihnen. Wer Einsicht hat in die Wirksamkeiten dieser Wesenheiten, der wird erst genügend imstande sein, den Nutzen der theosophischen Bewegung zu erkennen, der wird das tief Geistige und Gesundende der theosophischen Bewegung einsehen. Sie will den Menschen frei machen von den Wesenheiten, die ihn in der Kultur zurückhalten würden. Sonst würde unsere Kultur vollständig in Dekadenz verfallen. Man wird in nächster Zeit mancherlei gräßliche Kulturerscheinungen erleben können; und auch erleben, daß die, welche sich nicht zurechtfinden können, dann diejenigen Träumer und Phantasten nennen, die solche Kulturerscheinungen richtig benennen. Immer mehr und mehr wird die Welt das Gepräge annehmen, daß man diejenigen, welche die geistige, die wahre Wirklichkeit kennen, Träumer und Phantasten nennt, während die wahren Träumer und Phantasten die sind, die die geistige Wirklichkeit für Narretei erklären. Der wahre Fortschritt unserer Kultur liegt aber darin, daß der Mensch das, was feindliche Gewalten sind, durchdringt mit Erkenntnis. Und Erkenntnis ist das, was aus der theosophischen Geistesströmung den Spruch bewahrheitet, den auch der Führer des christlichen Lebens den Seinigen zugerufen hat: «Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!» Aber nur eine Wahrheit, die auch die volle und wahre Wirklichkeit umfaßt, kann eine solche sein, die auch den Menschen voll und ganz frei machen wird.
Cite:
GA 102/1908-05-16/p026 · edition original