{"corpus":"steiner","locus":"GA 102/1908-06-01/p013","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wir betrachten eine zweite Etappe der Menschheitsentwickelung — Zwischenetappen lassen wir fort —, jene Etappe, auf die hingedeuter wird in der Patriarchengeschichte des Alten Testaments. Was da eigentlich zugrunde liegt, haben wir bereits erwähnt. Wir haben den Grund erwähnt, warum die Patriarchen, Adam, Noah und so weiter, eine so lange Lebenszeit hatten. Sie hatten eine so lange Lebenszeit, weil das Gedächtnis dieser Menschen ein ganz anderes als das des heutigen Menschen war. Das Gedächtnis des heutigen Menschen ist eben auch individuell geworden. Der Mensch erinnert sich an das, was er seit der Geburt — mancher auch erst seit einem viel späteren Zeitpunkt — erlebt hat. So war es nicht in alten Zeiten. Damals waren die Dinge, die der Vater zwischen Geburt und Tod erlebte, die Erlebnisse, die der Großvater, der Urgroßvater gehabt hatten, ebenso ein Gegenstand der Erinnerung wie die eigenen Erlebnisse zwischen Geburt und Tod. So sonderbar es sich für den heutigen Menschen ausnimmt, wahr ist es, daß es Zeiten gab, in denen eine solche über das Individuum hinausgehende, die ganze Blutsverwandtschaft hinaufgehende Erinnerung da war. Und wenn wir uns fragen, welche äußerlichen Zeichen es dafür gibt, daß eine solche Erinnerung vorhanden war, so sind es eben solche Namen wie Noah, Adam und so weiter. Damit sind nicht einzelne Individuen gemeint zwischen Geburt und Tod, Der Mensch, der ein Gedächtnis hat, das zwischen Geburt und Tod eingeschlossen ist, gibt diesem einen Individuum einen Namen. Die Namensgebungen gingen früher so weit, wie das Gedächtnis in die Generationen hinaufreichte, so weit, wie das durch die Generationen hindurchfließende Blut ging.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Elfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1908-06-01","location":null,"word_count":258,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/102/1908-06-01/p013","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/102/1908-06-01/p013"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/102/1908-06-01/p013","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}