Elfter Vortrag

GA 102/1908-06-01/p016 ·1908-06-01 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

So sehen wir eine zweite Etappe der Menschheitsentwickelung, die Gruppenseelenzeit, die ihren äußeren Ausdruck findet in der Blutsverwandtschaft der Generationen. Ein Volk, das das besonders ausgebildet hat, legt ganz besonderen Wert darauf, immer zu betonen: als Volk haben wir eine gemeinschaftliche Volksgruppenseele. Das war für das Volk des Alten Testamentes durchaus der Fall. Deshalb sträubten sich die Konservativen innerhalb dieses alttestamentlichen Volkes gegen das Betonen des «Ich bin», des individuellen Ich. Wer im Johannes-Evangelium liest, der kann das mit Händen, mit geistigen Händen greifen, daß es so ist. Man braucht nur die Erzählung zu lesen über das Gespräch des Jesus mit der Samariterin am Brunnen. Da ist ausdrücklich darauf hingewiesen, daß der Christus Jesus auch zu denen geht, die nicht blutsverwandt sind, die nicht durch Blutsverwandtschaft zusammengehören. Lesen Sie, wie bemerkenswert darauf hingewiesen wird: «Denn die Juden hielten keine Gemeinschaft mit den Samaritern.» Wer das nach und nach wirklich, und zwar meditativ, durchmachen kann, der wird sehen, wie die Menschheit von der Gruppenseele zu der individuellen Seele vorangeschritten ist.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/102/1908-06-01/p016.json
Cite: GA 102/1908-06-01/p016 · edition original