Elfter Vortrag

GA 102/1908-06-01/p022 ·1908-06-01 · original (original)
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Diese trivialsten aller Wahrheiten, die rechnerischen, die geometrischen, wurden im Inneren gefunden, und doch streiten sich die Menschen nicht darum. Darüber herrscht absolute Übereinstimmung, weil der Mensch heute so weit ist, diese Dinge einzusehen. Es herrscht nur so lange keine Übereinstimmung, wie die reine Wahrheit getrübt wird durch die Leidenschaften, durch Sympathie und Antipathie, Es kommt eine Zeit, wenn sie auch noch sehr ferne liegt, wo die Menschheit immer mehr und mehr von der Erkenntnis der innerlichen Wahrheitswelt ergriffen werden wird. Dann wird trotz aller Individualität, trotzdem jeder die Wahrheit einzeln in sich finden wird, Übereinstimmung herrschen. Würden heute die mathematischen Wahrheiten nicht so einfach zutage liegen, so würden die Leidenschaften ihrer Anerkennung noch manches in den Weg legen. Wenn es nach der Habgier ginge, so würde vielleicht noch manche Hausfrau dafür stimmen, daß zwei mal zwei fünf ist, und nicht vier. Diese Dinge sind nur so durchsichtig, so einfach, daß sie nicht mehr getrübt werden können von der Sympathie und Antipathie. Immer größere Gebiete werden von dieser Wahrheitsform erfaßt werden, und immer mehr Frieden wird dadurch in die Menschheit kommen können, wenn die Wahrheit so erfaßt wird. Der Mensch ist herausgewachsen aus dem Gruppenseelentum, und immer mehr emanzipiert er sich davon. Wenn wir die Gruppen betrachten statt der Seelen, so haben wir Familienzusammenhänge, Stammes-, Volkszusammenhänge und endlich zusammengehörige Rassen der Menschen. Der Rasse entspricht eine Gruppenseele. Alle diese Gruppenzusammenhänge der Vormenschheit sind solche, aus denen der Mensch herauswächst, und je mehr wir fortschreiten, desto mehr verliert der Rassenbegriff seine Bedeutung.

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Cite: GA 102/1908-06-01/p022 · edition original