Erster Vortrag

GA 103/1908-05-18/p005 ·1908-05-18 · original (original)
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Und so müssen wir sagen, daß die Geheimnisse des Johannes-Evangeliums unabhängig von jeder Tradition, von jeder historischen Urkunde von dem Menschen gewonnen werden können. Man möchte, um das ganz deutlich zu sagen, einmal in einer extremen Weise das aussprechen. Dann könnte man so sagen: Nehmen wir an, dutch irgendein Ereignis gingen alle religiösen Urkunden dem Menschen verloren und dieser behielte nur die Fähigkeiten, die er gegenwärtig hat, dann müßte er trotzdem — wenn er sich nur die Fähigkeiten, die er hatte, bewahrt - in die Geheimnisse des Daseins eindringen können; er müßte hingelangen können zu den göttlich-geistigen schaffenden Kräften und Wesenheiten, die hinter der physischen Welt verborgen sind. Und die Geisteswissenschaft muß durchaus auf diese, von allen Urkunden unabhängigen Erkenntnisquellen bauen. Dann aber, wenn man also unabhängig forscht, wenn man unabhängig von allen Urkunden die göttlich-geistigen Geheimnisse der Welt erforscht hat, dann geht man an die religiösen Urkunden. Dann erst erkennt man sie in ihrem wahren Werte. Denn dann ist man in einer gewissen Weise frei und unabhängig von ihnen. Man erkennt in ihnen dann, was man zuvor selbständig gefunden hat; wer einen solchen Weg gegenüber den religiösen Urkunden eingeschlagen hat, von dem können Sie sicher sein, daß diese Urkunden niemals an Wert für ihn verlieren, niemals etwas verlieren von der Ehrfurcht und Verehrung, die man ihnen gegenüber haben kann. Durch einen Vergleich mit etwas anderem lassen Sie uns einmal klarmachen, um was es sich dabei handelt.

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