Erster Vortrag

GA 103/1908-05-18/p027 ·1908-05-18 · original (original)
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So ist denn gleich der Eingang des Johannes-Evangeliums etwas sehr Schwieriges für den materialistisch angehauchten Theologen geworden. Die Lehre von dem Logos oder Wort hat den Leuten große Schwierigkeiten gemacht. Sie sagen sich: Wir möchten doch so gern, daß alles einfach, schlicht und naiv ist, und da kommt dann das Johannes-Evangelium und spricht von so hohen philosophischen Dingen, von dem Logos, dem Leben, dem Lichte! - Der Philologe ist gewöhnt, immer zu fragen, woher das stammt. Mit neueren Werken macht man es nicht anders. Lesen Sie die Werke über den Goetheschen «Faust». Überall finden Sie nachgewiesen, woher dieses oder jenes Motiv stammt; da werden durch Jahrhunderte zum Beispiel alle Bücher aufgestöbert, um zu sehen, woher Goethe das Wort vom «Wurm» hat, das er gebraucht. Und so fragt man auch: Woher hat Johannes den Begriff des «Logos»? Die anderen Evangelisten, die zu dem einfachen, schlichten Menschenverstand gesprochen haben, drücken sich nicht so philosophisch aus. Nun sagte man weiter, der Schreiber des Johannes-Evangeliums wäre eben ein Mensch mit griechischer Bildung gewesen, und dann wies man darauf hin, daß die Griechen in Philo von Alexandrien einen Schriftsteller haben, der auch von dem Logos spricht. Also dachte man sich, daß in gebildeten griechischen Kreisen, wenn man von etwas Hohem sprechen wollte, man von dem Logos sprach, und daher hat der Johannes das aufgenommen. Und so nahm man das wieder für einen Beweis, daß der Schreiber des Johannes-Evangeliums nicht auf derselben Überlieferung gefußt hat, auf der die Schreiber der andern Evangelien fußten, sondern — so sagte man — er hat sich beeinflussen lassen von der griechischen Bildung und dementsprechend die Tatsachen umgeprägt. Und gerade die Anfangsworte des Johannes-Evangeliums

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