Erster Vortrag
Und man sagte nun unter diesen Bekennern der Logoslehre: Es gab eine Zeit, bevor der Mensch in seiner heutigen Gestalt da war, in der es ihm möglich ist, sein innerstes Erlebnis in Worten nach außen ertönen zu lassen. Es gab vorher eine andere Zeit. Es hat lange Zeit gebraucht, daß sich unsere Erde bis zu der heutigen Gestalt hindurchentwickelte. - Wir werden hören, wie diese Erde geworden ist. — Wenn wir aber die früheren Zustände prüfen, finden wir den Menschen in seiner heutigen Gestalt noch nicht und auch keine Wesen, die von innen heraus ertönen lassen können, was sie erleben. Mit stummen Wesen beginnt unsere Welt, und nach und nach erst zeigen sich Wesen und erscheinen auf unserem Wohnplatz, die die innersten Erlebnisse nach außen tönen lassen können, die des Wortes mächtig sind. Aber das, was vorm Menschen heraus am spätesten erscheint — sagten sich die Bekenner der Logoslehre -, das war in der Welt selbst am frühesten da. Wir denken uns, der Mensch war in seiner heutigen Gestalt in früheren Erdzuständen noch nicht da; aber in unvollkommener, stummer Gestalt war er da und hat nach und nach sich bis zum logos- oder wortbegabten Wesen heraufentwickelt. DaB er das konnte, rührt davon her, daß das, was bei ihm zuletzt erscheint, das schöpferische Prinzip, in einer höhern Wirklichkeit von Anfang an da war. Was sich losringt aus der Seele, das war das göttliche schöpferische Prinzip im Anfang. Das Wort, das aus der Seele tönt, der Logos, war im Anfang da, und der Logos hat die Entwickelung so gelenkt, daß zuletzt ein Wesen entstand, in dem er auch erscheinen konnte. Was zuletzt in der Zeit und im Raume erscheint, war im Geiste zuerst da.
Cite:
GA 103/1908-05-18/p036 · edition original