Vierter Vortrag

GA 103/1908-05-22/p011 ·1908-05-22 · original (original)
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Ein Mensch, der eingeweiht worden war, konnte selbst Erlebnisse, Erfahrungen haben in den geistigen Welten, so daß er ein Zeuge werden konnte der geistigen Welten. Diejenigen, die reif befunden wurden, eingeweiht zu werden, wurden in diese Mysterien hineingezogen. Überall - in Griechenland, bei den Chaldäern, bei den Ägyptern, bei den Indern - gab es solche Mysterien. Da wurden die Einzuweihenden lange unterrichtet ungefähr in den Dingen, die wir heute in der Geisteswissenschaft lernen; und wenn sie genügend unterrichtet waren, folgte das, was ihnen den Weg öffnete, um selbst zu schauen. Aber in den alten Zeiten konnte das auf keine andere Weise bewirkt werden als dadurch, daß der Mensch in bezug auf seine vier Glieder: physischen Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich, in einen ganz besonderen Zustand versetzt wurde. Was da geschah mit dem Einzuweihenden, war, daß er durch den Initiator, durch den Einweihenden, der die Sache verstand, dreieinhalb Tage in einen totenähnlichen Zustand versetzt wurde. Das geschah aus folgendem Grunde. Wenn der Mensch nämlich im heutigen Entwickelungszyklus im gewöhnlichen Sinne schläft, so liegen sein physischer Leib und Ätherleib im Bette, das Ich mit dem Astralleib ist herausgehoben. Der Mensch kann dann nicht irgendwelche geistigen Ereignisse um sich herum wahrnehmen, weil sein Astralleib noch nicht die geistigen Sinnesorgane hat, um in der Welt, in der der Mensch dann ist, wahrzunehmen. Erst wenn sein astralischer Leib und sein Ich wieder hineinschlüpfen in seinen physischen und Ätherleib, sich wieder der Augen und der Ohren bedienen, nimmt der Mensch wieder die physische Welt, das heißt überhaupt eine Umwelt wahr. Durch das, was die Einzuweihenden gelernt hatten, wurden sie fähig, die geistigen Sinnesorgane ihres astralischen Leibes herauszubilden. Wenn sie nun so weit waren, daß ihr astralischer Leib diese Sinnesorgane ausgebildet hatte, mußte dafür gesorgt werden, daß alles, was der astralische Leib in sich aufgenommen hatte, sich in den Ätherleib eindrückt, wie die Worte eines Petschafts sich in den Siegellack eindrücken. Das ist das, worauf es ankommt. Alle Vorbereitungen für die Einweihung beruhten darauf, daß der Mensch sich solchen inneren Vorgängen hingab, welche seinen astralischen Leib umorganisierten. Der Mensch war auch seinem physischen Leibe nach einmal so, daß er keine Augen und Ohren hatte wie heute, sondern gleichgültige Organe an dieser Stelle; wie Tiere, die nie dem Licht ausgesetzt waren, keine Augen haben. Das Licht formt heraus das Auge, der Ton bildet heraus das Ohr. Was der Mensch durch Meditation, Konzentration übt, und was er dadurch innerlich erlebt, wirkt so wie Licht auf das Auge, Ton auf das Ohr. Dadurch wird der astralische Leib umgeformt, und dadurch werden herausgeholt die Erkenntnisorgane, um zu schauen in der astralischen, der höheren Welt. Jetzt sind sie aber noch nicht fest genug in dem Ätherleibe; sie werden dadurch fest, daß das, was im astralischen Leibe zunächst sich bildet, eingeprägt wird in den Ätherleib. Solange aber der Ätherleib im physischen Leibe steckt, ist es nicht möglich, daß das, was durch die Übungen erreicht wird, sich auch wirklich abdrückt im Ätherleibe. Dazu mußte ehedem der Ätherleib herausgehoben werden aus dem physischen Leibe. Wenn also in den dreieinhalb Tagen des totenähnlichen Schlafes der Ätherleib herausgehoben war aus dem physischen Leibe, drückte sich alles das, was im Astralleibe vorbereitet war, ab. Der Mensch erlebte die geistige Welt. Wurde er dann wieder durch den Priester-Initiator zurückgerufen in den physischen Leib, so war er ein Zeuge dessen, was in den geistigen Welten vorgeht, durch sein eigenes Zeugnis.

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