Vierter Vortrag

GA 103/1908-05-22/p033 ·1908-05-22 · original (original)
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Wie mußte sich denn nun ein Ich fühlen, das so weit reif geworden war, um nicht mehr den Zusammenhang mit den anderen individuellen Persönlichkeiten der Gruppenseele zu fühlen? Wie mußte das vereinzelte Ich empfinden in einer Zeit, in der man sagen konnte: Nicht mehr ist die Zeit, in der man als eine wirkliche menschliche Lebenswahrheit empfinden kann die Zusammengehörigkeit mit anderen Personen, mit allen Ichen, die zu einer Gruppenseele gehören; aber der muß erst kommen, der der Seele das geistige Lebensbrot gibt, wodurch das einzelne Ich seine Nahrung erhält. Das Einzel-Ich mußte sich einsam fühlen, und der Vorgänger des Christus mußte sagen: Ich bin ein Ich, das sich herausgeschält hat, sich einsam fühlt. Und gerade weil ich gelernt habe, mich einsam zu fühlen, fühle ich mich als ein Prophet, dem das Ich in der Einsamkeit die richtige Geistes-Nahrung gibt. — Deshalb mußte sich der Verkünder als ein Rufer in der Einsamkeit bezeichnen, das heißt als das schon vereinsamte, von der Gruppenseele vereinsamte Ich, das da schreit nach dem, wodurch das Einzel-Ich Nahrung bekommen kann. «Ich bin die Stimme eines Rufers in der Einsamkeit.» Da hören wir wieder die tiefe Wahrheit: Jedes menschliche individuelle Ich ist ein ganz auf sich gestelltes; ich bin die Stimme des Ich, das losgelöst ist und das seinen Grund sucht, auf dem es als losgelöstes Ich stehen kann. Jetzt verstehen wir die Stelle: «Ich bin die Stimme eines Rufers in der Einsamkeit. »

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