{"corpus":"steiner","locus":"GA 103/1908-05-23/p020","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Zunächst ist hier die Rede von einer Hochzeit. Warum aber eine Hochzeit in Galiläa? Wir werden verstehen, warum es eine Hochzeit in Galiläa ist, wenn wir uns die ganze Mission des Christus noch einmal vor die Seele rufen. Seine Mission besteht darin, dem Menschen die volle Kraft des Ich, die innere Selbständigkeit in die Seele zu bringen. Das einzelne Ich sollte sich in völliger Selbständigkeit und Abgeschlossenheit, in völligem Stehen-in-sich-selber fühlen, und durch die Liebe, die als eine freie Gabe gegeben wird, soll Mensch mit Mensch zusammengeführt werden. Eine Liebe also soll durch das Christus-Prinzip in die Erdenmission hineinkommen, die immer mehr und mehr über das Materielle erhaben ist und immer mehr und mehr in Geistiges aufsteigt. Ausgegangen ist die Liebe von ihrer niedersten Form, die an die Sinnlichkeit gebunden ist. Dasjenige liebte sich in den ursprünglichen Menschheitszeiten, was durch Blutsbande miteinander verbunden war, und man hielt ungemein viel darauf, daß die Liebe diese materielle Basis der Blutsverwandtschaft habe. Der Christus war gekommen, um diese Liebe zu vergeistigen, um auf der einen Seite die Liebe loszureissen von den Banden, in die sie durch die Blutsverwandtschaft hineinverschlungen wird, und auf der anderen Seite die Kraft, den Impuls zu der geistigen Liebe zu geben. Innerhalb der Bekenner des Alten Testamentes sehen wir im vollsten Sinne noch das ausgedrückt, was wir die Zugehörigkeit zur Gruppenseele als die Grundlage des einzelnen Ichs im Gesamt-Ich nennen können. Wir haben gesehen, der Ausspruch: «Ich und der Vater Abraham sind Eins» bedeutet etwas für den Bekenner des Alten Testaments; es bedeutet, sich geborgen zu fühlen in dem Bewußtsein, daß jenes Blut, welches schon geronnen hat in den Adern des Vaters Abraham, herunterrollte bis zu ihm, dem Bekenner. Da fühlte er sich in einem Ganzen geborgen; und nur diejenigen betrachtete man als zusammengehörig, welche aus einer solchen Art menschlicher Fortpflanzung hervorgegangen waren, die durch diese Blutsverwandtschaft aufrechterhalten blieb. Ganz im Anfange der Menschheitsentwickelung auf der Erde wurde überhaupt nur geheiratet in ganz engen Kreisen, in ganz blutsverwandten Familien. Die «Nah-Ehe» war das, woran man im Anfange der Menschheitsentwickelung festgehalten hat. Immer mehr erweiterten sich die engen Blutkreise. Man heiratete hinaus aus dem Stamm, aber noch nicht in ein anderes Volk hinüber. Das Volk des Alten Testamentes hielt ganz fest daran, daß die Volksblutsverwandtschaft aufrechterhalten wurde. Der ist ein «Jude», der dem Blute nach ein Jude ist.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fünfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1908-05-23","location":null,"word_count":388,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/103/1908-05-23/p020","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/103/1908-05-23/p020"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/103/1908-05-23/p020","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}