Fünfter Vortrag
Dies mußte der Christus andeuten in dem ersten Zeichen für seine Mission. Er mußte erstens andeuten, daß das Ich selbständig werden sollte, und sodann, daß er sich an diejenigen wendet, die sich schon losgelöst haben von den Blutszusammenhängen. Er mußte sich wenden an eine solche Hochzeit, wo die Körper unter dem Einfluß des Alkohols standen; denn bei dieser Hochzeit wird Wein getrunken. Und der Christus Jesus zeigt, wie er es hält mit seiner Mission in bezug auf die verschiedenen Erdperioden. Wie oft wird es ganz sonderbar ausgedrückt, was die Verwandlung des Wassers in Wein hier für eine Bedeutung habe. Auch sogar von Kanzeln kann man es hören, daß damit nichts anderes gemeint sei, als daß das schale Wasser des Alten Teestamentes abgelöst werden solle von dem kräftigen Wein des Neuen Testamentes. Es waren vermutlich Weinliebhaber, die diese Art der Auslegung immer wieder geliebt haben. Denn so einfach sind diese Symbole nicht. Es muß festgehalten werden, daß der Christus sagt: Meine Mission ist eine solche, daß sie in eine fernste Zukunft hinweist; und es soll den Menschen als selbständigen Menschen gebracht werden der Zusammenhang mit der Gottheit, die Liebe zur Gottheit als eine freie Gabe des selbständigen Ich. Diese Liebe soll den Menschen in Freiheit an die Gottheit binden, wie ihn früher ein innerlicher Zwangsimpuls der Gruppenseele dieser Gottheit eingegliedert hatte.
Cite:
GA 103/1908-05-23/p026 · edition original