Fünfter Vortrag
Fassen wir jetzt im Sinne einer Stimmung auf, was so die Menschheit erlebte. Fassen wir vor allem die Gedanken, die man damals hatte. Man sagte: Der Mensch war einst mit der Gruppenseele verbunden und fühlte seinen Zusammenhang mit der Gottheit. Dann hat er sich herunterentwickelt. Das betrachtete man wie ein Verstricktwerden mit dem Materiellen, wie eine Degeneration, wie eine Art Abfall von dem Göttlichen, und man fragte: Woher ist denn das, was der Mensch jetzt hat, ursprünglich gekommen? Wovon ist er abgefallen? Je weiter wir in der Erdenentwickelung zurückgehen, desto mehr finden wir, daß die festen Stoffe immer mehr unter dem Einfluß von wärmeren Zuständen in Flüssiges übergehen. Wir wissen aber, daß damals, als die Erde noch ein flüssiger Planet war, der Mensch auch schon vorhanden war. Aber damals war der Mensch auch noch weniger von der Gottheit losgelöst als später. In demselben Maße, als sich die Erde verfestigte, vermaterialisierte sich auch der Mensch. Der Mensch war, als die Erde flüssig war, schon im Wasser enthalten; aber er konnte nur herumgehen auf einer Erde, die auch schon Festes abgesetzt hatte. Daher fühlte man das Sichverfestigen des Menschen so, daß man sagte: Aus der Erde, die noch Wasser war, wird der Mensch herausgeboren, aber da ist er noch ganz mit der Gottheit verbunden. Alles, was ihn in die Materie hineingebracht hat, hat ihn verunreinigt. Diejenigen, die sich dieses alten Zusammenhanges mit dem Göttlichen erinnern sollten, wurden mit der Wassertaufe getauft. Diese sollte das Symbolum dafür sein: Werdet euch bewußt eures alten Zusammenhanges mit der Gottheit, und daß ihr verunreinigt seid, heruntergekommen seid zu dem heutigen Zustand! - So taufte auch der Täufer, um auf diese Weise den Menschen den Zusammenhang mit der Gottheit nahezubringen. Und so war alle Taufe in den alten Zeiten gemeint. Es ist ein radikaler Ausdruck, aber ein Ausdruck, der uns das, was gemeint ist, zum Bewußtsein bringt.
Cite:
GA 103/1908-05-23/p027 · edition original