Neunter Vortrag

GA 103/1908-05-29/p007 ·1908-05-29 · original (original)
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In jener Kultur, die wir die urpersische nennen - denn das, was die Geschichte kennt unter der persischen und der Zarathustra-Kultur, sind die letzten Nachklänge dessen, was hier gemeint ist -, in dieser zweiten Kulturepoche sahen wir die Menschen den ersten Schritt tun, um hinauszuwachsen aus dem alten indischen Prinzip und sich die physische Wirklichkeit zu erobern. Noch ist nirgends eine liebevolle Versenkung in die physische Wirklichkeit da, auch nirgends etwas wie ein Studium der physischen Welt. Aber es ist doch schon mehr da als in der alten indischen Kultur. Sogar das, was bis in die spätere Zeit geblieben ist von dieser altindischen Kultur, zeigt uns noch die Nachklänge jener Stimmung, die die physische Wirklichkeit als Illusion ansieht. Daher hätte niemals unsere gegenwärtige Kultur hervorgehen können aus dieser indischen Kultur. Alle Weisheit richtete innerhalb der indischen Kultur den Blick hinweg von der physischen Welt und blickte hinauf in die geistigen Welten, die als Erinnerung vorhanden waren, und unwert erschien ihr das Studium und die Bearbeitung der physischen Wirklichkeit. Daher konnte niemals das eigentliche indische Prinzip eine für unsere irdische Welt brauchbare Wissenschaft hervorbringen; niemals hätte es jene Beherrschung der Naturgesetze hervorbringen können, die heute die Grundlage unserer Kultur bildet. Alles das hätte niemals aus dem alten Indertum hervorgehen können. Denn wozu die Kräfte einer Welt kennenlernen, die doch nur auf Täuschung beruht! Wenn das später anders geworden ist auch in der indischen Kultur, so ist das nicht aus ihr hervorgeflossen, sondern ist späteren fremden Einflüssen entsprungen.

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Cite: GA 103/1908-05-29/p007 · edition original