Elfter Vortrag
Wir wollen jetzt davon sprechen, wie man diese Organe in den Äther- und Astralleib hineinbaut. Wir sagten, daß bei dem, der die Einweihung anstrebt und erhält, die höheren Organe herausmodelliert werden. Wie macht man das? Es handelt sich darum, daß man den Astralleib des Menschen abfaßt da, wo er in seiner Reinheit zu haben ist. Während der astralische Leib im Tagwachen untergetaucht ist in den physischen Leib, wirken die Kräfte des physischen Leibes auf den Astralleib; da hat man ihn also nicht frei. Da folgt er dem, was der physische Leib will, da kann man sozusagen nichts anfangen mit ihm. Man kann etwas anfangen mit ihm, man kann nur dann ihn modellieren, wenn er im Schlafe aus dem physischen Leibe heraus ist. Nur dadurch kann der Astralleib eines Menschen die höheren Sinnesorgane ausgebildet erhalten, daß man sie ihm hineinziseliert, während er außerhalb des physischen Leibes ist, im Schlafe. Nun kann man aber am schlafenden Menschen nicht herumhantieren. Das wäre beim heutigen Menschen nicht möglich, wenn er das, was mit ihm geschieht, wahrnehmen soll. Wenn Sie ihn im bewußtlosen Zustande haben, kann er das nicht wahrnehmen. Hier scheint ein Widerspruch vorzuliegen, denn der Astralleib ist sich seines Zusammenhanges mit dem physischen Leibe nicht bewußt, während der Mensch schläft. Aber indirekt geht es zu machen dadurch, daß man während des Tagwachens auf den physischen Leib wirkt, so daß die Eindrücke, die der physische Leib während des Tagwachens erhält, im Astralleib bleiben, wenn dieser sich herauszieht. Geradeso wie sonst im Astralleib die Eindrücke, die er durch die umliegende physische Welt erhält, eingedrückt sind, so muß man etwas ganz Spezifisches mit dem physischen Leibe anfangen, damit das sich in den astralischen Leib eindrückt und dann in der entsprechenden Weise ausgebildet wird. Das geschieht nun, indem der Mensch nicht immer so in den Tag hineinlebt, wie es sonst der Fall ist, und Eindrücke von da und dort hereinkommen läßt, sondern indem er in der durch eine methodische Schulung vorgeschriebenen Art sein inneres Leben in die Hand nimmt. Man nennt das Meditation, Konzentration oder Kontemplation. Das sind Übungen, die ebenso streng vorgeschrieben sind in den entsprechenden Schulen wie in den Laboratorien das Mikroskopieren und so weiter. Wenn ein Mensch solche Übungen macht, wirken sie so intensiv auf ihn ein, daß der astralische Leib, wenn er herausrutscht während des Schlafes, sich plastisch umgestaltet. Gerade so wie der Schwamm hier, solange ich ihn in meiner Hand habe, sich den Formen der Hand anpaßt, aber sobald ich ihn wieder loslasse, sich wieder nach den Kräften formt, die in ihm sind, ebenso ist es mit dem astralischen Leibe: Wenn er im Schlafe aus der Leiblichkeit heraustritt, folgt er den astralischen Kräften, die in ihm angelegt sind. So muß man während des Tagwachens diejenigen geistigen Verrichtungen vornehmen, durch welche in der Nacht der astralische Leib sich so plastisch gestaltet, daß er in sich die Organe bildet zum höheren Wahrnehmen.
Cite:
GA 103/1908-05-30/p016 · edition original