{"corpus":"steiner","locus":"GA 103/1908-05-30_02/p014","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Und wir selbst sind in einer Epoche - ungefähr trat die Menschheit ein in diese Epoche um die Mitte des Mittelalters, vom 10., 11., 12. Jahrhundert angefangen -, wir selbst sind in der Epoche des Eintretens des Ich in die Bewußtseinsseele. So spät ist das erst gekommen. In die Bewußtseinsseele trat das Ich ein erst ungefähr um die Mitte des Mittelalters. Auch das ließe sich sehr leicht historisch belegen, und man könnte in alle Winkel hineinleuchten, wenn man Zeit hätte, auf manches hinzudeuten, was dabei in Frage kommt. Damals impfte sich dem Menschen ein ganz bestimmter Begriff ein von individueller Freiheit, von individueller Ich-Tüchtigkeit. Wenn Sie noch die erste Zeit des Mittelalters betrachten, würden Sie durchaus noch überall finden, daß der Mensch in einer gewissen Weise gilt durch das, wie er in die Gesellschaft hineingestellt ist. Man erbt vom Vater und den Angehörigen Stand und Rang und Würde, und vermöge dieser unpersönlichen Dinge, die nicht mit dem Ich bewußt verknüpft sind, handelt und arbeitet man in der Welt. Erst später, als der Handel sich ausdehnte und die Erfindungen, die neuzeitlichen Entdeckungen kamen, beginnt das Ich-Bewußtsein sich auszudehnen, und wir können sehen, daß überall in der europäischen Welt die äußeren Abbilder dieser Bewußtseinsseele in einer ganz bestimmten Art von Städteverfassungen, Städtekonstitutionen und dergleichen auftreten. Aus der Geschichte Hamburgs zum Beispiel könnte man leicht nachweisen, wie sich historisch diese Dinge entwickelt haben. Das, was man «freie Stadt» im Mittelalter nannte, das ist der äußere Abdruck dieses Hinhauchens der ichbewußten Seele durch die Menschheit. Und wenn wir jetzt einmal den Blick in die Zukunft schweifen lassen, so sagen wir: Jetzt sind wir eben daran, dieses Persönlichkeitsbewußtsein in der Bewußtseinsseele auszubilden. Alle Forderungen der neueren Zeit sind nichts anderes, als daß unbewußt die Menschen die Forderungen der Bewußtseinsseele herausbringen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1908-05-30","location":null,"word_count":295,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/103/1908-05-30_02/p014","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/103/1908-05-30_02/p014"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/103/1908-05-30_02/p014","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"unit_kind":{"kind":"second_lecture_same_day","base_unit":"GA 103/1908-05-30","note":"Another lecture given on the same date as 1908-05-30; the suffix only separates two lectures of one day."}}