Zehnter Vortrag

GA 103/1908-05-30_02/p029 ·1908-05-30 · original (original)
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Denken Sie sich den Seher der damaligen Zeit. Er erlebte die geistige Bedeutung des ersten der geschilderten Kapitel, von da an, wo der Ruf ertönt: «Sage deinem Volk: Ich bin der «Ich-bin»», bis zur Herabkunft des Messias. Als zweites Kapitel erlebte er den Herunterstieg des Christus in die Materie. Und als drittes Kapitel erlebte er, wie allmählich die Menschheit vorbereitet wird, zu empfangen den Geist oder das Geistselbst, Manas, im sechsten Zeitraum. Und er erlebte das in einem astralen Vorgesicht. Er erlebte die Hochzeit zwischen der Menschheit und dem Geist. Das ist ein wichtiges Erlebnis, das aber die Menschheit nur dadurch äußerlich zur Ausprägung bringen kann, daß der Christus in die Zeit, in die Geschichte eingetreten ist. Vorher hat die Menschheit nicht gelebt in einer solchen Brüderlichkeit, die durch den im Innern aufgegangenen Geist herbeigeführt wird, wo Friede ist zwischen Mensch und Mensch. Vorher gab es nur die Liebe, die materiell vorbereitet war durch die Blutsverwandtschaft. Diese Liebe entwickelt sich nach und nach zur geistigen Liebe, und diese geistige Liebe senkt sich herunter. Als Schlußerfolg des dritten Kapitels der Einweihung sagen wir daher: Die Menschheit feiert ihre Ehe mit dem Geistselbst oder Manas. Das kann erst eintreten, wenn die Zeit dafür gekommen ist, wenn die Zeit reif geworden ist für das volle Verwirklichen des Impulses des Christus. Solange sie nicht gekommen ist, so lange gilt noch das Verhältnis, das sich auf die Blutsverwandtschaft begründet, so lange ist die Liebe nicht geistig. Überall, wo in den alten Urkunden von Zahlen gesprochen wird, ist von dem Geheimnis der Zahl die Rede. Und wenn wir lesen: «Am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa» (2, 1), so weiß jeder Eingeweihte, daß mit diesem «dritten Tage» etwas Besonderes gemeint ist. Was liegt da vor? Der Schreiber des Johannes-Evangeliums weist hier darauf hin, daß es sich nicht nur um ein wirkliches Erlebnis handelt, sondern zu gleicher Zeit noch um eine große, gewaltige Prophetie. Diese Hochzeit drückt aus die große Menschheitshochzeit, die sich in der Einweihung zeigte am dritten Tage. Am ersten Tage zeigte sich, was sich in der ersten Epoche abspielt beim Herübergehen von der dritten in die vierte Kulturepoche, am zweiten Tage, was sich abspielt beim Herübergehen von der vierten zur fünften Kulturepoche, und am dritten Tage das, was geschieht, wenn die Menschheit von der fünften zur sechsten Kulturepoche hinübergehen wird. Das sind die drei Tage der Einweihung. Und es mußte der Christus-Impuls warten bis zum dritten Zeitpunkt. Vorher ist der Zeitpunkt nicht da, wo er wirken kann.

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