Zwölfter Vortrag

GA 103/1908-05-31/p005 ·1908-05-31 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Wir sagten, es könnten die verschiedensten Methoden angewendet werden, um diese Katharsis herbeizuführen. Sehr weit kann der Mensch in bezug auf diese Katharsis schon kommen, wenn er zum Beispiel alles das, was in meiner «Philosophie der Freiheit» steht, so innerlich durchgenommen und erlebt hat, daß er das Gefühl hat: Das Buch war für mich eine Anregung, aber ich kann jetzt die Gedanken genau so, wie sie dastehen, eigentlich selbst reproduzieren. Wenn sich jemand zu diesem Buch so verhält -— denn so ist es geschrieben -, wie sich etwa ein Virtuose mit dem Spielen eines Stückes auf dem Klavier verhält zu dem Komponisten des Stückes, so daß er das Ganze in sich selbst produziert - natürlich in der entsprechenden Weise -, dann kann schon durch die in sich streng gegliederte Gedankenfolge dieses Buches bis zu einem hohen Grade die Katharsis herbeigeführt werden. Denn es. kommt eben bei solchen Dingen, wie dieses Buch es ist, darauf an, daß die Gedanken alle so gesetzt sind, daß sie zur Wirksamkeit kommen. Bei vielen anderen Büchern der Gegenwart ist es so, daß man im Grunde genommen, wenn man nur die Systematik ein bißchen anders gestaltet, das eine früher, das andere später sagen kann. Bei der «Philosophie der Freiheit» ist das nicht möglich. Da kann man ebensowenig die Seite 150 etwa ;5o Seiten früher stellen in dem Inhalt, wie man bei einem Hund die Hinterbeine mit den Vorderbeinen auswechseln kann. Denn dieses Buch ist ein gegliederter Organismus, und das Durcharbeiten der Gedanken dieses Buches bewirkt so etwas wie eine innere Trainierung. So gibt es verschiedene Methoden, um die Katharsis herbeizuführen. Der, der sie nicht herbeigeführt hat, wenn er dieses Buch durchgenommen hat, braucht nicht zu denken, daß es nicht richtig ist, was ich sage, sondern eher, daß er es nicht richtig oder nicht energisch und gründlich genug durchgearbeitet hat.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/103/1908-05-31/p005.json
Cite: GA 103/1908-05-31/p005 · edition original