Zwölfter Vortrag
Zunächst kam dann die eigentlich spezifisch christliche Einweihung, die es notwendig macht, daß der Mensch sich den Prozeduren unterwirft, die gestern als die sieben Stufen geschildert worden sind. Wenn der Mensch diese Gefühle und Empfindungen durchmacht, wird sein astralischer Leib so intensiv bearbeitet, daß er — vielleicht erst nach Jahren, aber doch früher oder später - plastisch seine Wahrnehmungsorgane formt und sie dann in den Ätherleib hineindrückt, um dadurch den Menschen zu einem Erleuchteten zu machen. Diese Art der Einweihung, die die spezifisch christliche ist, könnte ausführlich nur beschrieben werden, wenn ich nicht nur mehrere Tage, sondern vielleicht zwei Wochen jeden Tag einen Vortrag über alle Einzelheiten halten könnte. Darauf kommt es aber nicht an. — Es handelte sich gestern darum, gewisse Einzelheiten in der christlichen Einweihung Ihnen anzugeben. Wir wollen uns ja nur mit dem Prinzip bekanntmachen. — Dadurch, daß der Mensch so etwas durchmacht, ist er in der Tat in der Lage, ohne den dreieinhalb Tage dauernden lethargischen Schlaf die Einweihung zu erlangen, namentlich wenn der christliche Schüler fortdauernd meditiert über die Sätze des Johannes-Evangeliums. Wenn er die ersten Sätze des Johannes-Evangeliums: «Im Urbeginne war das Wort» bis zu der Stelle «voller Hingabe und Wahrheit» jeden Tag auf sich wirken läßt, sind sie eine ungeheuer bedeutsame Meditation. Diese Kraft haben sie in sich. Denn dieses Johannes-Evangelium ist überhaupt in seiner Ganzheit nicht bloß dazu da, gelesen und mit dem Intellekt verstanden zu werden, sondern es muß innerlich ganz erlebt und gefühlt werden. Dann ist es selbst eine Kraft, die der Einweihung zu Hilfe kommt und für sie arbeitet, und dann werden «Fußwaschung», «Geißelung» und andere innere Vorgänge als astralische Visionen, ganz entsprechend dem, wie sie im Johannes-Evangelium vom 13. Kapitel ab selbst beschrieben werden, erlebt.
Cite:
GA 103/1908-05-31/p008 · edition original