Zwölfter Vortrag

GA 103/1908-05-31/p016 ·1908-05-31 · original (original)
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Würden wir eine solche Namengebung einmal befolgen, dann wür den wir ungefähr auf einer niederen, elementaren Stufe etwas Ähnliches ausführen, was diejenigen ausgeführt haben bei einer Namengebung, die im Sinne des Schreibers des Johannes-Evangeliums Namen gegeben haben. Wenn ich mich recht verständlich machen wollte, wie der Schreiber des Johannes-Evangeliums bei seiner Namengebung zu Werke ging, müßte ich jetzt sagen: Dieser Schreiber des Johannes-Evangeliums hat sich die äußere geschichtliche Mutter des Jesus auf ihre hervorstechendsten Eigenschaften hin angesehen und hat nun gesagt: Wo finde ich einen Namen für sie, der ihr Wesen am vollkommensten ausdrückt? Und weil sie durch die früheren Inkarnationen, die sie durchgemacht hatte, bis zu der geistigen Höhe gekommen war, auf der sie stand, weil sie in ihrer äußeren Persönlichkeit gleichsam als ein Abdruck, als eine Offenbarung erschien dessen, was man in der christlichen Esoterik nennt die «Jungfrau Sophia», so nannte er die Mutter des Jesus die «Jungfrau Sophia». So hat sie immer geheißen in den esoterischen Stätten, wo das Christentum esoterisch gelehrt worden ist: die «Jungfrau Sophia». Exoterisch läßt er sie überhaupt unbenannt, gegenüber den anderen Evangelisten, die den Profan-Namen Maria für sie gewählt haben. Er durfte nicht den Profan-Namen nehmen. Johannes mußte im Namen ausdrücken die tiefe weltgeschichtliche Entwickelung. Das tut er, indem er andeutet, daß sie nicht Maria genannt werden kann, vielmehr stellt er neben sie ihre Schwester Maria, Kleophas’ Weib, und nennt sie einfach «Jesu Mutter». Dadurch deutet er an, daß er ihren Namen nicht nennen will, daß er öffentlich nicht bekanntgegeben werden kann. In esoterischen Kreisen nannte man sie immer die « Jungfrau Sophia». Sie war diejenige, die als äußere historische Person repräsentiert die «Jungfrau Sophia ».

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Cite: GA 103/1908-05-31/p016 · edition original