Zwölfter Vortrag

GA 103/1908-05-31/p055 ·1908-05-31 · original (original)
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So ist es vielfach gegenwärtig bei vielen Propheten, den wahren und falschen. Sie bemühen sich, etwas zu sagen und es immer wieder zu wiederholen, und die Leute lernen es glauben, weil es immer wiederholt wird. Der Vertreter der Geisteswissenschaft soll und will kein solcher Prophet sein. Er will überhaupt kein Prophet sein. Und man mag ihm noch so sehr sagen: Ja, du wiederholst ja nicht nur, sondern immer wieder werden die Dinge von anderen Seiten beleuchtet, immer wieder werden die Dinge in anderer Weise besprochen, — wenn so von ihm gesagt wird, bezichtigt er sich keines Fehlers. Ein Prophet will, daß man an ihn glaubt; die Geisteswissenschaft will aber nicht zum Glauben, sondern zum Erkennen führen. Deshalb nehmen wir Voltaites Ausspruch im andern Sinn auf: «Das Einfache wird geglaubt und ist Sache des Propheten», sagt er. «Das Mannigfaltige aber wird erkannt», sagt die Geisteswissenschaft.

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