Geisteswissenschaft, Evangelium und Menschheitszukunft

GA 104/1908-06-17/p013 ·1908-06-17 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

In früheren Vorträgen wurde schon darauf hingewiesen, wie wir uns geisteswissenschaftlich das Verhältnis des Menschen zu den tierischen Wesen zu denken haben. Niemals war der Mensch ein solches Wesen wie das heutige Tier es ist. Er stammt nicht von Wesenheiten ab, die so waren wie die heutigen Tiere. Die Entwickelungsformen, aus denen sich der Mensch herausgebildet hat, die würden, wenn wir sie schildern wollten, sich sehr unähnlich den heutigen Tieren erweisen. Die heutigen Tiere sind gleichsam auf früheren Entwickelungsstufen zurückgebliebene Wesenheiten, die diese früheren Entwickelungsstufen konserviert und sie in die Verhärtung gebracht haben. Der Mensch ist über seine früheren Entwickelungsstufen hinausgewachsen, die Tiere sind darunter heruntergewachsen. So sehen wir in der Tierwelt etwas wie zurückgebliebene Brüder der Menschheit, die aber nicht mehr die Form dieser früheren Entwickelungsstufen tragen. Die früheren Entwickelungsstufen verliefen in einer Zeit, wo die Erde andere Lebensbedingungen hatte, in der noch nicht die Elemente so verteilt waren wie heute, wo nicht der Mensch mit einem solchen Körper behaftet war wie heute und doch Mensch war. Er hat warten können, bildlich gesprochen, innerhalb des Entwickelungsganges mit seinem Hereinsteigen in das Fleisch, hat warten können bis zu der Zeit, wo diese fleischliche Materialität so hat werden können, daß er die Kraft des heutigen Geistes entwickeln konnte. Die Tiere haben nicht warten können, sie sind auf früherer Stufe verhärtet worden, haben früher Fleisch angenommen, als es am Platze war. Daher mußten sie zurückbleiben. So werden wir uns vorstellen können, daß der Mensch unter anderen Bedingungen und in anderen Bewußtseinsformen gelebt hat als heute. Wenn wir diese Bewußtseinsformen Tausende und Tausende von Jahren zurückverfolgen, werden wir immer andere finden. Was wir heute logisches Denken nennen, Intellekt und Verstand, das hat sich erst später in der Menschheit entwickelt. Viel stärker waren Kräfte der Menschen, die heute schon im Abnehmen begriffen sind, zum Beispiel das Gedächtnis. Das war in einer früheren Zeit ungeheuer viel mehr entwickelt als heute. Durch die zunehmende Verstandeskultur der Menschheit ist das Gedächtnis wesentlich in den Hintergrund getreten.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/104/1908-06-17/p013.json
Cite: GA 104/1908-06-17/p013 · edition original