{"corpus":"steiner","locus":"GA 104/1908-06-17/p036","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Alle die Dinge, die wir heute an uns vorüberziehen ließen, sie sind aus der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft heraus zu verstehen. Nur Skizzenhaftes konnte ich heute geben. Wenn man aus der Geisteswissenschaft heraus begreift, was hinter dem Sinnlichen steht, dann sieht man auch hin mit dem Verständnis auf das, was verkündet worden ist in den Evangelien, was verkündet worden ist im apokalyptischen Werk. Und je weiter man geht in dem Eindringen, in der Vertiefung nach den übersinnlichen Welten hin, desto Tieferes wird man in den christlichen Urkunden finden. Mit höherem Glanz, mit tieferem Wahrheitsgehalt und Inhalt erscheinen einem die christlichen Urkunden, wenn man, geschärft mit dem geistigen Blick, wie er gewonnen werden kann mit Hilfe der Anthroposophie, hingeht zu diesen Urkunden. Wahr ist es: Das einfachste Gemüt kann ahnen, welche Wahrheiten im Christentum stecken. Nicht immer aber wird sich das Bewußtsein mit einer Ahnung begnügen können, es wird sich höher entwickeln und wissen, erkennen wollen. Doch auch dann, wenn es sich zu den höchsten Weisheiten erhebt, wird es immer noch tiefe Geheimnisse geben im Christentum. Es ist für das einfachste Gemüt, aber auch für die höchstentwickelte Intellektualität. Der Eingeweihte erlebt es wieder als Bilder. Daher mag das naive Bewußtsein ahnen, welche Wahrheiten darin schlummern, aber der Mensch wird nach Erkenntnis verlangen und nicht nach Glauben, und auch dann wird er im Christentum Befriedigung finden. Er wird im Christentum den vollen befriedigenden Inhalt finden können, wenn ihm durch die Geisteswissenschaft die Erklärungen der Evangelien gegeben werden. Daher wird die Geisteswissenschaft an die Stelle selbst der höchsten alten Philosophien treten. Sie wird Zeugnis ablegen von dem uns eingangs vorgeführten schönen Hegelwort: Der tiefste Gedanke ist mit der Gestalt des Christus Jesus, mit der geschichtlichen und äußerlichen, verknüpft, und jede Art von Bewußtsein — das ist das Große am Christentum — kann der Äußerlichkeit nach dieses Christentum begreifen. Zugleich aber werden die tiefst eindringenden Weisheiten durch das Christentum herausgefordert. Für jede Stufe der Bildung ist das Christentum, aber es kann gerecht werden den höchsten Anforderungen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Geisteswissenschaft, Evangelium und Menschheitszukunft","site_heading":null,"date":"1908-06-17","location":null,"word_count":331,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/104/1908-06-17/p036","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/104/1908-06-17/p036"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}