Erster Vortrag

GA 104/1908-06-18/p007 ·1908-06-18 · original (original)
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Die hohen geistigen Wahrheiten, die im Ausgangspunkte des Christentums verkündet worden sind und zu deren Anschauung diejenigen gebracht wurden, die sie verstehen konnten, sie liegen angedeutet, soweit das in einer Schrift geschehen kann, in der Apokalypse des Johannes, in der sogenannten kanonischen Apokalypse. Aber schon in den ersten Zeiten des Christentums waren die Exoteriker wenig geeignet, das tief Spirituelle, das gemeint ist im esoterischen Christentum, zu verstehen. Und so trat denn in den allerersten Zeiten des Christentums in der Exoterik die Anschauung auf, daß sich Dinge, die sich zunächst für die Weltentwickelung abspielen im Geistig-Spirituellen, die erkennbar und erschaubar sind für den, der hineinschauen kann in die geistigen Welten, daß sich solche rein spirituellen Vorgänge äußerlich in dem materiellen Kulturleben abspielen sollten. Und so kam es, daß, während der Schreiber der Apokalypse die Ergebnisse seiner Einweihung, seiner christlichen Initiation darin zum Ausdrucke brachte, die anderen sie nur exoterisch verstanden und der Meinung waren, daß sich das, was der große Seher geschaut und wovon der Eingeweihte weiß, daß es sich in Jahrtausenden spirituell erkennbar abspielt, in der allernächsten Zeit abspielen müsse im äußerlich sinnlich-sichtbaren Leben. So kam denn die Anschauung zustande, als ob für die sinnlich nächste Zeit der Schreiber etwas gemeint hätte wie ein in den sinnlich-physischen Wolken stattfindendes Herabkommen, Wiederkommen des Christus Jesus. Als das nicht eintrat, da verlängerte man einfach die Frist und sagte: Nun ja, es hat für die Erde mit der Erscheinung des Christus Jesus eine neue Zeit begonnen gegenüber dem, was als alte Religiosität da war. Aber es wird — und jetzt faßte man das wiederum sinnlich auf — tausend Jahre dauern, da werden sich die nächsten Ereignisse physisch-sinnlich vollziehen, die in der Apokalypse dargestellt sind. — So kam es, daß tatsächlich, als hereinzog das Jahr 1000, viele Leute auf das Herankommen irgendeiner dem Christentum feindlichen Macht warteten, auf einen Antichrist, der in der sinnlichen Welt auftreten sollte. Und als das wiederum nicht eintrat, da wurde sozusagen eine neue Fristverlängerung angesetzt, zu gleicher Zeit aber die ganze Vorhersagung der Apokalypse in eine gewisse Symbolik hinaufgerückt, während man sich bei den groben Exoterikern diese Vorhersagung ziemlich greifbar vorgestellt hatte. Mit dem Heraufrücken einer materialistischen Weltanschauung kam man für diese Dinge in eine gewisse Symbolik hinein. Man sah in den äußeren Ereignissen symbolische Andeutungen.

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Cite: GA 104/1908-06-18/p007 · edition original