Zweiter Vortrag

GA 104/1908-06-19/p007 ·1908-06-19 · original (original)
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Nun haben wir schon gestern betont, was für den Menschen zu geschehen hat, wenn er die Einweihung empfangen soll. Wenn der Mensch sich nur mit dem beschäftigt, womit sich die Menschen in unserem Zeitalter gemeiniglich befassen, so kann er keine Einweihung erhalten. Der Mensch muß so vorbereitet werden, daß er während des gewöhnlichen Tageslebens jene Übungen macht, die ihm von den Eingeweihtenschulen vorgeschrieben werden, Meditation, Konzentration und so weiter. Diese Übungen sind im Grunde genommen in bezug auf ihre Bedeutung für den Menschen bei allen Einweihungsschulen dieselben. Sie sind nur insofern ein wenig voneinander verschieden, als sie, je weiter wir zurückgehen in die vorchristlichen Einweihungsschulen, mehr darauf gerichtet sind, das Denken, die Denkkräfte zu üben, zu trainieren. Je mehr wir uns den christlichen Zeiten nähern, desto mehr sind sie darauf gerichtet, die Gemütskräfte zu schulen, und je näher wir den neueren Zeiten kommen, desto mehr sehen wir, wie in den sogenannten Rosenkreuzerschulungen, durch die Forderungen und Bedürfnisse der Menschheit bedingt, eine besondere Art der Willenskultur, der Willensübungen eingeführt wird. Wenn auch die Meditationen zunächst ähnliche sind wie in den anderen vorchristlichen Schulen, so herrscht doch überall auf dem Grunde der Rosenkreuzerübungen eine besondere Schulung des Willenselementes. Worauf es aber ankommt und was ebenso erreicht wurde durch die Übungen der orientalischen Mysterienschulung, wie bei der ägyptischen und der pythagoräischen Schule und so weiter, und was auch die Wirkung jener Übungen ausmacht, die vorzugsweise von der Meditation des Johannes-Evangeliums ausgehen, das ist, daß auf den Menschen während des Tageslebens, wenn auch nur durch kurze Zeit, meinerwegen nur fünf oder fünfzehn Minuten, so-gewirkt wird, daß die Wirkung auch dann bleibt, wenn jener Zustand beim schlafenden Menschen eintritt, wo der astralische Leib herausgeht. Bei einem Menschen, der solche, sagen wir, okkulte Übungen macht, bei dem zeigt nach und nach der astralische Leib in der Nacht die mannigfaltigsten Veränderungen. Er weist andere Lichterscheinungen auf, er zeigt jene plastische Gliederung der Organe, von der wir schon gesprochen haben; und dann wird das immer deutlicher und deutlicher. Der astralische Leib bekommt nach und nach eine innere Organisation, wie sie der physische Leib in seinen Augen, Ohren und so weiter hat.

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Cite: GA 104/1908-06-19/p007 · edition original